Lebensfreude einer Frau in einem Wald

Fantasie, Inspiration, Schöpferkraft und unsichtbare Gitterstäbe

In Gesundheit für die Seele by Matthias A. Exl2 Kommentare

Viele Menschen bauen unbewusst ihr Leben rund um Begehrlichkeiten auf. Ein scheinbar sicherer Hafen, der sich eigenes Heim nennt, Besitz, Beruf, Vorsorge, ein geregeltes Leben, Partner, Fokus auf Kinder und vieles mehr geben dem Menschen ein tiefes Gefühl von Sicherheit.

Sehr oft jedoch liegen die Entscheidungen, die man einst traf und durch die man sich das heutige Leben erschuf sehr weit zurück. Manche spüren aber den nagenden Zweifel, dass etwas im eigenen Leben fehlt. Man hat „alles“ und dennoch fehlt "etwas Wesentliches", was sich nicht durch den Verstand definieren lässt...

Die Auswirkung dieses undefinierbaren Gefühls ist dann sehr oft „Unlust“ und der Verlust der tiefen Freude am Strom des Lebens – die Seele schreit nach Veränderung, die aber vom Verstand her weder zu greifen ist, noch zugelassen werden kann. Die Konsequenzen einer Veränderung wären zu weitreichend, zu schmerzhaft und untragbar, heißt es dann.

Was ist hier geschehen?

Wir alle sind kleine Krishnas, mit der natürlichen Begabung der Fantasie auf die Welt gekommen, wir alle sind göttlich inspirierte Wesen, die nicht innerhalb festgesetzter Grenzen denken und nach gesteckten Parametern nur zu funktionieren haben. Vielmehr sind wir die Verkörperung von Lebendigkeit und Lebensfreude, voll mit unglaublichen Ideen und Träumen. Irgendwann verselbstständigt sich das Werkzeug des Verstandes und wird zum Herrn im eigenen Haus: zwischen Beruf und Krediten, Bügeleisen und Rasenmähern, Katzenfüttern und Autokauf, Kapselkaffeemaschinen und Terminkalender Gefängnishaben Träume wenig Platz: sie passen nicht in das Konzept des Funktionierens. Sie passen nicht in das ruhige, sichere Leben. Und so vergisst man die tiefsten Träume, das Verlangen nach dem Spiel des Lebens zugedeckt unter einer warmen Betondecke des Vergessens… RIP! Hier liegt eine Seele, die vergessen hat, was Leben bedeutet. Begraben zwischen sichtbaren und unsichtbaren Gitterstäben. Sie fiel der trügerischer Freiheit („Ich könnte ja alles tun, was ich wollte – tue es aber nicht“) zum Opfer und war unfähig, sich zu verändern. Dies scheint hier wohl die Lebensaufgabe gewesen zu sein – jene Erfahrung zu machen.

Selbstfindung, Vedanta und wer sagt das…

In dieser Phase ist Selbstfindung oft ein willkommenes Werkzeug. Neben all den unglaublich positiven Aspekten wartet hier aber ebenso eine Falle: ich richte meinen Geist auf Gott aus, sehne mich derart nach Verschmelzung mit dem Einen, und ich versuche mit meinen bekannten Werkzeugen („Verstand“) diese zu erreichen. Die Kapselkaffeemaschine, der Rasenmäher und der Terminkalender werden ersetzt und nun wird meditiert, Bedürfnisse umgewandelt, Wünsche losgelassen, eine spirituelle Lebenseinstellung eingenommen und der Spielplatz der Welt ist auf einmal verpönt… Doch ist das das Ziel? Bedeutet „Wer bin ich?“ das Abwenden vom Leben oder von der Lebensfreude? Bedeutet „sich in den Schoß Gottes zu begeben“ der heilige Weg in die Stille und nicht auf ein Fest? Viele Suchende glauben dies tatsächlich - eine Falle, in die ich selbst nicht nur hineingetappt bin, sondern vielmehr 100 Meter unter die Oberfläche eingetaucht bin.

Eine spirituelle Bombe platzt…

Ich erinnere mich an ein Video mit Mooji, der bei einer Party wie wild tanzte. Dies war nicht das Herausragende, viel netter waren die Blicke der Suchenden – ein Teil, der sich für ihn freute, ein anderer Teil, der nicht wusste, wie er damit umgehen sollte. Auch erinnere ich mich an ein sehr klares Email meines Lehrers Pjotr vor über zwei Jahren. Er schrieb mir: „Lieber Matthias, Du schreibst vom Wirken des Sai Baba in Deinem Leben. Schön. Aber wo bleibt die Natur des Menschen?
Die ist genauso wie die vier Jahreszeiten des Lebens. Nichts ist fest, alles ist im Fliesen. Und so folge ich dem Göttlichen Plan, denn nichts geschieht ohne Gottes Wille. Das Spiel des Lebens ist im Spielen selbst. Im Spielen des SELBST. Das SELBST ist das SPIEL selbst.“

Lebensfreude am FestDas Leben ein Spiel? Ein Spiel, das ich wie ein Kind in der Sandkiste spielen darf? Einfach so? Spaß haben, Lebensfreude spüren, zu lachen und zu tanzen? Gehe ich da nicht vollkommen in die falsche Richtung, denn ich komme doch ursprünglich von genau dort? Nein, die Zeilen des Lehrers hatte ich verworfen! Dies KANN nicht sein, eine Rückkehr in weltliche Belange, DAS ist definitiv der falsche Weg.

Welche Verblendung – meinerseits! Es mag sein, dass der Mensch einst das Leben in vollen Zügen lebte, doch war es ausgerichtet auf Gott? Selbstfindung bedeutet, „ÜBER ALLES ZU VERFÜGEN“, dabei aber „NICHTS ZU BESITZEN“. Es bedeutet, sich voll und ganz auf den Strom des Seins einzulassen, sein Wasser jede Stelle unseres Körpers benetzen zu lassen, zu lachen und zu springen, zu tanzen und zu leben und das größte Fest zu seinen Ehren zu veranstalten, ohne dabei konsumiert zu werden. Es bedeutet nicht, sich seinen Ängsten hinzugeben, Sicherheiten auszubauen, zu funktionieren, sich zu sorgen und dabei einhundertmal das Gayatri Mantra zu singen.  Erkenne nur, du hast die Erlaubnis, alles zu leben, was das Leben genau dir schenkt. Es gibt keinen strafenden Gott, der meint: diese Aktivität macht zu viel Freude, sie erreicht nicht die erforderliche Mindestpunkteanzahl auf der spirituellen Skala der Teilerleuchtung. Im Gegenteil: Baba sagte einst, dass man sich Gott gut als spielenden Krishna vorstellen kann, welcher voller Freude an sein Werk geht.

Auch interessant:  Habe keine Angst: ergebe dich...

Nun die Frage: hast du Angst davor, zu leben, dich hinzugeben, voll und ganz den Tanz des Lebensstroms zu fühlen und zu leben? Es wird der Zeitpunkt in deinem Leben kommen, wo du genau vor dieser Entscheidung stehst: bist du bereit, loszulassen und der tiefen Freude, der Fantasie, der Inspiration und dem Lebensstrom zu folgen oder wählst du Sicherheiten?

Wie kannst du unterscheiden, aus welcher Quelle der Ruf stammt?

Ist es Gott, dann lässt der Strom des Lebens Synchronizitäten für dich regnen, zwingt dich förmlich, zu tun, was zu tun ist. Es erfordert hier große Ängste und Zweifel, um diesen Ruf überhaupt ignorieren zu können. Oft entspringt der plötzliche Ruf des Stroms aus einem stillen Gebet mit der Bitte um Veränderung.

Das Ego agiert hier völlig anders: der Ruf des Egos ist das aktive Planen von Flucht oder Angriff, ein Schlechtreden von Bestehendem, ein Niedermachen und ein konsumierendes Habenwollen. Das Ego versucht, alte Sicherheiten gegen neue auszutauschen, will sich nicht fallen lassen oder hingeben, kann nicht eintauchen, sondern kauft vorsorglich eine Luftmatratze…

Irland KüsteDarum: fürchte dich nicht, wenn du den Ruf spürst. Halte Ausschau nach Synchronizitäten und erlaube jede Veränderung, die dir Fantasie, Inspiration und Schöpferkraft schenkt. Spreche dabei niemals schlecht über Vergangenes, erkenne nur das Schöne am Vergangenen, und dass jene Vergangenheit eine wichtige Basis dafür war, dass du nun den Weg zur wahren Spiritualität beschreitest, die das Leben nicht ausschließt, sondern es wie ein Liebender in seine Arme schließt. Vergesse nicht: ein Leben ohne Sinne oder Sinnlichkeit ist einem wunderbaren Teil des göttlichen Stroms beraubt.

Jedes Herz ist erfüllt von dem Verlangen nach Gott. Die Töne der Flöte sind der Ruf Gottes. Der Tanz, den der kleine Krishna oft spielerisch mit den Gopis tanzte, symbolisiert die Sehnsucht und das Verlangen, sich in Gott zu verwirklichen, Eins mit Ihm zu werden. Gott lässt solch eine Gnade sichtbar werden, sodass jeder von euch fühlt, Ihn ganz allein für sich zu haben. Ihr müsst nicht traurig darüber sein, wenn ihr das Gefühl habt, Gott gehört euch nicht ganz alleine. Es ist auch nicht notwendig, Stolz an den Tag zu legen, indem ihr denkt, dass Ihr Gott ganz allein für euch habt und niemand anderes Ihn haben kann! Gott ist fest im Tempel des Herzens eines jeden verankert. Erweist dem Geschenk, das dieser Körper ist, auch den Sinnen, dem Intellekt, dem Willen und allen Werkzeugen des Wissens, allen Handlungen und Gefühlen, die notwendig sind, damit Gott Seine Arbeit verrichten kann, Ehre. – Sathya Sai Baba

Anleitung zur Selbstreflexion - Eine Frau, die an einem Teich sitzt und ein Buch liestMein Geschenk an dich: Leitfaden zur Selbstreflexion

Für jene Menschen, die selbständig an sich arbeiten wollen, habe ich einen Leitfaden zusammengestellt, in dem ich beschreibe, wie du auf ehrliche und systematische Weise Selbstreflexion betreiben kannst. Du findest darin praktische Tipps, wie du all jene unbewussten Muster aufspüren kannst, die so viele Probleme verursachen. Die Abonnenten meines Blogs (das Abo ist kostenlos) können den Leitfaden zur Selbstreflexion gratis herunterladen. Hier kannst du dich eintragen, wenn du über neue Artikel von mir informiert werden möchtest, inklusive Gratisdownload meines achtseitigen Booklets.

Hat dir gefallen, was du hier gelesen hast? Um in Zukunft keine Artikel zu verpassen, kannst du dich hier mit mir verbinden: Newsletter, Facebook, Twitter, Google+ Profil. Keine Sorge, ich spamme nicht, wie Tausende von Followern bestätigen!

Bücher, die ich gerne zur Thematik Fantasie am spirituellen Weg empfehle

In Verbundenheit,

Graphische Unterschrift von Matthias Exl

The following two tabs change content below.
Matthias A. Exl, MBA arbeitete viele Jahre erfolgreich im Ausland in leitenden Positionen internationaler Konzerne. Es folgte eine Phase der Neuorientierung, in der sich Matthias die Frage stellte, ob Geld, Status und Macht tatsächlich glücklich machen können. Im Streben nach Werten und Sinn verlagerte Matthias seine Tätigkeit in den NPO Bereich. Matthias war Gründer der gemeinnützigen und mildtätigen Organisation Herzenssache®, Initiator des erfolgreichen Zauberwald Projekts und ist publizierter Autor (vgl. „Befreie dich selbst! Über die Kunst wahrhaftig zu leben“, 2008). Heute arbeitet Matthias als Spezialist für digitales Marketing, freier Journalist, bloggt auf https://befreie-dich-selbst.com über philosophische Themen und ist Gründer von Two Wings und Digicube.

Kommentare

  1. Sabine sagte mir gestern, dass es darum geht zu erkennen was mir als Kind Freude gemacht hat. Dachte, dass dies schwer ist, weil mir absolut nichts einfallen wollte. Dann wollt ich was erzwingen, weil ich ja Lebensfreude haben “muss”. Hab eine Rolle gespielt, wieder einmal… dann hats mich angezipft und ich habs gelassen. Als mir dann Herbert den verkleideten Bär im Hasenkostüm geschenkt hat, war sie da – diese alles erfüllende Freude und der Spaß. Jetzt freu ich mich über die Stofftiere, die die Wohnung verwandeln und mich auch…. 🙂 Danke

Was meinst du? Teile deine Gedanken mit mir...