Ein Mann im Meer in gelben Licht

Selbstwert: Das hässliche Entlein – Bin ich gut genug?

In Gesundheit für die Seele by Matthias A. Exl11 Kommentare

Im letzten Blogeintrag erwähnte ich mein Außenseiter-Dasein in der Schulzeit und meinen Mangel an Selbstwert. Ich erhielt daraufhin viele liebe Nachrichten zu diesem Thema. So viele Menschen fühlten und fühlen sich als Außenseiter unter Außenseitern und kennen das Gefühl, alleine zu sein unter vielen. Heute widme ich mich dem „hässlichen Entlein“ in uns, dem Teil, der meint, nie entsprechen zu können. Der Teil, der im Außen nach Sicherheit strebt, um die innere Unsicherheit zu überwinden.

Als Erwachsene scheinen wir alles unter Kontrolle zu haben. Doch so vieles davon ist Schein, nicht Sein. Das verletzte innere Kind ist in den meisten Menschen hochaktiv. Als Kind empfinden wir Dinge als Verletzung, die ein Erwachsener niemals so wahrnehmen würde. Ja, Kinder sind hochsensibel und können mitten am Weg der Identitätsfindung sehr leicht aus der Spur geworfen werden.

Ich erinnere mich gut an meine Zeit vor der Pubertät als ich wie ein junger Hund mit zu großen Pfoten recht unproportioniert aussah. Meine Ohren waren regelmäßiges Gesprächsthema in der höheren Schule, in der Grundschule war es mehr meine dunkle Hautfarbe. „Der Affe“ war hier noch einer der eher netten Ausdrücke. Natürlich tat dies weh, und es lies mich die schönen Dinge, wie z.B. die liebevollen Mitschüler, die mich mochten, nicht mehr sehen. So war schnell die Außenseiter- und Opferrolle geboren. Doch so wie es mir erging, erging es vielen anderen Menschen auch.

Selbstwert: Was tun lieblose Aussagen in der Kindheit mit uns?

Es gibt die Kinder, die sich wehren. Es sind jene, die in einer „jetzt erst Recht“-Mentalität ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln und ohne Angst „Angreifer“ konfrontieren. Es gibt aber auch die, bei denen die Sticheleien große Selbstzweifel auslösen. Mehr noch, das Selbstbewusstsein leidet und man fühlt sich ungeliebt, ungesehen, zu groß, zu klein, zu dick, zu dünn, zu dunkel, zu hell, zu unschön, zu unpassend für die Welt. Eigentlich möchte man nur normal sein, irgendwie dazugehören und das Gefühl, gemocht zu werden, erheischen. Egal wie cool und redegewandt man sich vielleicht als Kind präsentiert hat, kann tatsächlich im Inneren tiefe Unsicherheit existiert haben.

Doch verändern sich unbearbeitete kindliche Gefühle wirklich, wenn man erwachsen ist? Was machen Erwachsene, um mit der oft unbewussten, tief sitzenden Unsicherheit umzugehen? Man kompensiert den Schmerz des hässlichen Entleins mit neuen Handlungsweisen. Für viele ist dies der stetige Versuch, sich zu verbessern, um von der Welt endlich anerkannt zu werden. Strategien dafür gibt es viele, einige davon sind: Körperkult – es wird jedes verzehrte Gramm auf die Waagschale der eigenen Angst vor dem Zunehmen gelegt, der Körper wird mit oftmals unnötigen Operationen millimeterweise scheinbar verbessert. Andere schärfen nicht nur aus Freude ihren Intellekt: Alles zu wissen, hebt sie aus der Masse heraus, sie müssen konstant besser werden. Irgendwann entsteht dann der Glaube, dass sie intelligenter und besser seien als alle anderen, keiner weiß so viel wie sie. Keiner kann ihnen das Wissen nehmen oder ihnen das Wasser reichen.

Selbstwert oder Scheinwert?

Und aus diesem Umstand holt sich die Psyche den neu erlangten Scheinwert. Wieder andere glauben an den Aufbau einer lückenlosen Karriere, an gesellschaftlichen Status und an Macht. Ein weiterer gangbarer Weg von der eigenen Unsicherheit abzulenken ist die dogmatische Selbstfindung. Lehrbuchmäßig werden 110% der Übungen durchgeführt und Dogmen gebetsmühlenartig Mitmenschen zwangsweise weitergegeben. Manche gehen wiederum den umgekehrten Weg des Selbstmitleids und der Selbstzerstörung: Sie glauben, dass sie es niemals schaffen werden, zu genügen – wozu es daher überhaupt versuchen. Bisher sei jeder Versuch sowieso gescheitert und damit die eigene Unfähigkeit bewiesen. Als Folge wird der Weg sich selbst zu schaden eingeschlagen: körperlich, geistig und emotional. Dies äußert sich oftmals in Maßlosigkeit, Trägheit und – wie auch bei den Menschen, die die erstgenannten Strategien anwenden – Depression.

Auch in einer Beziehung zeigt sich das hässliche Entlein schnell: Es manifestiert sich die subjektiv scheinbar berechtigte Angst, dem geliebten Menschen nicht zu genügen. Andere Mitmenschen werden zu Konkurrenten und wirken auf einmal viel besser, intelligenter und attraktiver. Nun wird der Partner Zielscheibe für die eigenen Unsicherheiten, überall lauert Gefahr, die Eifersucht nimmt eine übermäßige und destruktive Form an. Die Komplimente und positiven Bestärkungen des Partners scheinen hier nur wie der Tropfen am heißen Stein zu wirken. Nie ist es genug – ja, man fühlt sich trotz aller bezeugten Liebe nicht genug bestätigt und oftmals auch ungeliebt.

Erkennst du, wie das hässliche Entlein in uns stetig nach scheinbarer Sicherheit im Außen strebt, um die tiefe innere Unsicherheit zu überwinden? Doch kann die Lösung überhaupt im Außen zu finden sein?

Auch interessant:  Meisterschaft: Wann bin ich reif genug?

Wie arbeite ich an meinem Selbstwert?

Der erste Schritt ist, zu erkennen, dass meine Reaktionen und meine Handlungen nicht wirklich aus freiem Willen heraus entstehen. Ist das, was ich tue wirklich aus einer freudevollen Emotion heraus entstanden? Oder ist es etwas anderes: „Ich kann nicht anders“ ist ein Ausdruck der eigenen Unfreiheit und ein Zeichen, dass der Schmerz des hässlichen Entleins meine Handlungen steuert. Erkenne, dass oftmals die eigenen Handlungsweisen aus einem Antrieb entstehen, sich verbessern zu wollen. Ist dies schlecht? Es könnte ja auch Motor einer gesunden Motivation sein… Ja und nein! Verbessere ich mich aus einem freien Geist heraus, aus einem gesunden Gefühl der eigenen Veredelung, ist alles in bester Ordnung. Ich tue es für mich und mein Seelenwohl oder um meinen Mitmenschen zu dienen. Verbessere ich mich, um den Anderen besser zu gefallen, sieht die Sache anders aus: Ich bin fremdbestimmt. Ist die Schönheitsoperation noch notwendig, wenn ich alleine auf einer Insel gestrandet bin? Wem könnte ich dort wohl gefallen? Es ist daher wichtig, die eigenen Handlungsweisen zu hinterfragen und bereit zu sein, bekannte, so logisch wirkende Pfade zu verlassen. So reift die Erkenntnis, dass ich tatsächlich einer Lüge aufgesessen bin. Der Lüge nämlich, dass ich nicht genüge. Wenn ich also in Wirklichkeit genüge, so wie ich bin, muss ich mir dann viele der seltsamen Dinge, die ich meine, tun zu müssen, noch antun?

Der zweite Schritt ist die Beschäftigung mit dem hässlichen Entlein. Erkenne, dass du nicht alleine bist. So vielen geht es wie dir – auch mir ist es so ergangen. So mein Tipp von Entlein zu Entlein: Wir sind in Wirklichkeit wunderbare und in ihrer Einzigartigkeit wunderschöne Schwäne, vielleicht bist du dir dessen einfach noch nicht bewusst? Lass uns gemeinsam die Lebensfreude willkommen heißen!

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Bücher, die ich gerne zur Thematik Selbstwert empfehle

 In Verbundenheit aus Finisterre,

Graphische Unterschrift von Matthias Exl

 

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… deine Worte kommen immer zum richtigen ZEITPUNKT Matthias 🙂 verhext 😉 wie oft wurde ich in der Schule ausgelacht, weil mir meine Mama die Haare schnitt und ich aussah, als wäre man mit der Schere abgerutscht, hatte second-hand kleidung an, habe mich sehr geschämt, ein paar kilo mehr, schiefe zähne und war sehr schüchtern. Ich habe meine teenie-zeit irgendwie verdrängt, aber mein Herz nicht, das weiss noch alles sehr genau – im Gefühl von “ich WILL daszugehören! ich WILL gesehen werden!” … ist schon so lange her! Ich bin schon länger dabei diesen WEG zu verlassen und mein HERZ… Weiterlesen »

Achim Lützelschwab

Ein großartiger Post! So ähnlich war das bei mir auch. Ein kleines Beispiel: Da ich den Markenwahn meiner Mitschüler nicht mitgemacht habe (wir hatten eh nicht die Mittel) war ich in der Wahrnehmung meiner Mitschüler eben nicht “cool”. Als diese dann auch noch offen mit Drogen hantiert hatten (habe ich ebenso niemals angerührt!) waren diese noch einmal deutlich “cooler”- die Mädchenherzen flogen in deren Richtung. Damals war es viel Unverständnis. Normal, als Teenie. Dennoch: das ist Vergangenheit. Das ist fast 20 Jahre her. Heute sehe ich mit einem lächeln und in Dankbarkeit auf diese Zeit und weiß einfach, dass alles… Weiterlesen »

Julia

Lieber Matthias,
die Erzählung vom hässlichen Entlein das zum schönen Schwan wurde ist seit meiner Kindheit meine Lieblingsgeschichte.

Ich danke dir für deine Gedanken.

Liebe Grüsse
Julia

Bãrbel Hellenthal

von Herz zu Herz ♥♥♥

julia

Hallo Matthias, ich konnte mich mit der Geschichte total identifizieren , meine Mobbingzeit ist noch gar nicht lange her. Ich bin zwar erst 22, bin aber schon lange auf der “Suche”. Habe diesbezüglich auch schon viele Antworten gefunden, aber das Problem ist, dass ich im Grunde vieles weiß, aber das nur mit dem Verstand. Also wie kann ich es im Herzen verstehen und nicht bloß Wissen konsumieren?Manchmal denke ich, ich habe jetzt endlich das letzte Puzzleteil aber dann holt mich wieder der Alltag ein und das Wissen ist wieder vergessen. Und wie kann man all diese spirituellen Einsichten so integrieren,… Weiterlesen »

Hallo,

vielen Dank für den guten Text. Mir hat sehr geholfen, dass ich eine Familie habe,die immer hinter mir steht und mich unterstützt. Das hilft sehr bei der Entwicklung. Auch heute muss ich noch viel an meine Kindheit denken.War nicht immer schön und hat mich stark gemacht. Ich freue mich auf Ihren nächsten Artikel.

Gruß Katrin