Ist es das Ego, das mich leitet?

In Gesundheit für die Seele by Matthias A. Exl7 Kommentare

Kürzlich wurde ich gefragt: „Woher weißt du, dass es nicht das Ego ist, welches dich leitet?“. Diese Frage begleitet mich mein ganzes Leben. In jeder Phase meiner Entwicklung fiel die Antwort etwas anders aus. Doch kann es wirklich das Ego sein, das über das Leben bestimmt? Oder ist das Ego nur für die Wahrnehmung des Lebens zuständig?

Schon als Kind beobachtete ich andere Kinder, die aus Experimentierfreude heraus Tiere quälten. Ich konnte das Verhalten nicht verstehen, und ich suchte nach dem Grund für das Verhalten. Meine damalige Antwort war: Sie empfinden Spaß daran, dies zu tun. Sie erleben einen Nervenkitzel. Sie möchten wissen, was geschieht, wenn man dies oder das tut. Über die Konsequenz der eigenen Handlung wurde nicht nachgedacht.

Außenseiter Dasein

Später in der Schule erlebte ich, was es bedeutet, nicht ein sondern der Außenseiter zu sein. Zu dunkelhäutig war ich für die Welt, zu bunt für die Kärntner Landschaft und dadurch sowie meine eigentümliche Art zu ungewöhnlich für die Klassenkameraden. Kinder können Außenseitern gegenüber sehr grausam sein. Wieder fragte ich mich: Wieso tut der Mensch, was er tut? Wieso tun sie mir weh? Was habe ich getan? Meine Antwort war: Sie empfinden Spaß daran, dies zu tun. Und gleichzeitig war es offensichtlich, dass wenn man einen anderen in das Abseits stellt, man selber nicht in diese Rolle gedrängt werden würde, weil der Platz schon besetzt war. Ich verstand, dass jeder irgendwie davor Angst hatte, im Abseits zu stehen.

Durchbruch

Wieder später erlebte ich meinen beruflichen Durchbruch: Nun war ich es, der die Fäden in der Hand hielt und mit schauspielerischer Höchstleistung den Boss spielte. Und sehr lange stellte ich mir die Frage nicht mehr: Warum tue ich, was ich tue? Nun war ich es, der offensichtlich nicht mehr über die Konsequenzen seines Ehrgeizes, seiner Härte und Überheblichkeit nachdachte, nur um vorwärts zu kommen. Dies bedeutet nicht, dass es schlecht ist, in der Führungsetage zu sein. Es bedeutet vielmehr, dass man über das Wie nachdenken sollte. Aus meinem egoistischen Rausch wachte ich mit einem Monate andauernden Kater des Burnouts auf. Durch diese Korrektur stellte ich mir wieder die Frage: Wieso tat ich, was ich tat? Die Antwort war bestechend einfach: Ich empfand Spaß daran, dies zu tun. Genauso, wie der Jugendliche das erste Mal zu viel trinkt und nicht darüber nachdenkt, wie sich der von den Eltern viel zu oft beschriebene Kater anfühlen könnte. Ich hatte Spaß und die Konsequenz war mir egal. Was hatte ich dadurch gelernt? „Ich-Zentriertheit“ erzeugt Leid.

Doch hatte ich irgendwo in meiner Entwicklung wirklich die Wahl? Klar wurde ich gewarnt, belehrt, darauf hingewiesen und vieles mehr… Doch kann die Erfahrung eines anderen wirklich meine Erfahrung werden, ohne sie je selbst erlebt zu haben? Dies mag in Ausnahmefällen möglich sein, doch die Neugier des Menschen, die Experimentierfreude überwiegt. Über viele Inkarnationen hinweg liebt es der Mensch, Erfahrungen selbst zu machen. Ohne neue Erfahrungen erleben wir Stagnation und Sinnlosigkeit.

Beurteilungen des Egos

Sind nun jene Handlungen wirklich das Ego des Menschen? Was ist das Ego? Das Ego oder „Ich Bewusstsein“ erlebt Trennung, es erlebt sich als eigenständiges Individuum mit Entscheidungskraft. „Ich will haben…“, „Ich will sein…“, „Ich will werden…“ bestimmen als Glaubenssätze das Leben. Das Ego ist wie ein Mann in einem Boot, der das Ruder in der Hand hält. Das Boot ist unser Körper, unser Gefährt auf unserer Reise, welche sich Leben nennt. Das Ego erlebt die Welt, macht Erfahrungen – das Ego bestimmt die Wahrnehmung von Ereignissen, die geschehen. Die Wahrnehmung kann aus Sicht des Egos gut oder schlecht sein. Diese Wahrnehmung beschreibt aber niemals das eigentliche Ereignis, sondern lediglich die persönliche Interpretation des Egos. Diese Interpretation wird bestimmt durch den Zustand und die Läuterung des Egos. Der eine hadert mit einem Schicksalsschlag, während der andere tiefes Vertrauen in sich wahrnimmt. Dies ist der Grund, wieso zwei Personen ein und dasselbe Ereignis als herausragend gut oder überaus schlecht empfinden. Dies ist der Grund, dass der eine sich ärgert und etwas verurteilt, der andere aber ruhig bleibt und es ihn nicht tangiert. Es bedeutet gleichzeitig, dass das Boot sich am Strom des Lebens konstant weiterbewegt, egal ob mir dies gefällt oder nicht. Es bedeutet, dass der Bootsmann manchmal mit dem Kurs hadert und krampfhaft versucht, das Ruder herum zu reißen, was aber meistens nicht klappen will. Ein Kampf entsteht, man versucht sich gegen das Schicksal zu stellen und leidet. Bedeutet dies nun, dass ich einfach da sitze und alles geschehen lasse? Ja und nein! Ja, sein Wille geschieht, fraglos immer zu meinem Besten. Nein, es entbindet mich nicht, meine Lektionen zu lernen und mich bestmöglich zu verhalten. Klar ist dadurch auch, dass es unmöglich ist, einen anderen Menschen zu beurteilen – wie sollte ich wissen, was das Schicksal für mein Gegenüber vorgesehen hat? Wenn ich glaube, zu wissen, was richtig oder falsch im Leben eines anderen ist, ist dies Ausdruck purer Überheblichkeit.

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Widersetzen ist sinnlos

Für mein persönliches letztes Jahr bedeutet dies: Ich wusste im Herzen, dass ich handeln musste. Mein Bootsmann sagte: „Tue das nicht, du hast alles! Du hast eine gute Ehe und keine Streits. Du hast ein wunderschönes Haus und einen Beruf, der dir Berufung ist. Du hast viele Bekannte, die gerne in deiner Gesellschaft sind. Du verlierst alles, wenn du jenem unwichtigen Ruf folgst!“… Ja, ich war versucht, den klaren Ruf meines Herzens korrigieren zu wollen und still dort sitzen zu bleiben und weiterhin bestmöglich zu funktionieren. Es war mir aber auch klar, dass ich leiden würde, wenn ich dem inneren Ruf nicht folgen würde. Ich konnte nicht anders: so folgte ich dem Strom und widersetzte mich so wenig, wie es mir nur möglich war. Ich handelte und wurde gleichzeitig mit meiner eigenen Ungeduld und Angst konfrontiert. Es gab Momente, wo ich an allem zweifelte und am liebsten alles rückgängig gemacht hätte. Doch irgendwie trieb mich der Strom an den von mir gesehenen Felsen vorbei: ich war beschützt und behütet. Gott sei Dank hatte ich als Bootsmann das Ruder losgelassen, denn ich hätte bei einer versuchten Kurskorrektur sicher einen Stein getroffen.

Vertrauen und Loslassen

Was lernte ich daraus? Durch wahres Loslassen und Vertrauen auf das nicht Sichtbare, offenbaren sich die Synchronizitäten, die man auch als göttliche Fügungen bezeichnet. Seine Idee, deren Ausdruck wir sind wird sichtbar und wahrnehmbar. Dadurch erwächst noch mehr das tiefe Vertrauen, dass der Strom nicht nur existiert, sondern einen perfekt durchdachten Plan darstellt. Jeder von uns erfüllt diesen mit unglaublicher Präzision - mit all seiner Freude und all seinem Schmerz. Je nachdem was notwendig ist, um dem Bootsmann das Wesentliche beizubringen: Erfahre, dass du nur die Rolle eines Schauspielers in einem wundervollen Film spielst. Wisse, dass du deiner Rolle eine von dir gewählte Färbung geben darfst während du aber gleichzeitig - was den Film betrifft - nur den Anweisungen des Regisseurs folgen kannst… Erkenne daher zuerst deine Rolle, die du gerade spielst. Diese bist nicht du! Diese kannst du jederzeit verändern. Die Rolle verliert augenblicklich an Wichtigkeit, empfundene Dramen kommen zur Ruhe. Danach erkenne dich als Schauspieler, der mit der Rolle spielt und seine Freude daran hat. Lerne das Spiel zu spielen, es ist sein Spiel. In Folge blicke zum Regisseur, der jenen Film inszeniert und lerne ihn zu lieben und ihm absolut zu vertrauen. Er versteht sein Geschäft, und er liebt auch dich. So verliert der Bootsmann immer mehr an Kraft, er hört auf, den Lauf der Dinge kontrollieren zu wollen. So verliert das Ego immer mehr an Kraft, und tiefes Vertrauen ersetzt die Angst, die das Leben sehr schmerzhaft erscheinen lassen kann.

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Bücher, die ich zur Thematik Ego und Selbstliebe gerne empfehle

So lasse uns gemeinsam den Film des Lebens genießen, ohne uns zu sorgen, es gibt keinen Grund dazu.

In Verbundenheit,

Graphische Unterschrift von Matthias Exl

 

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Kommentare

  1. Dass das Ego kleiner werden muss, hat meine Freundin auch immer gesagt. Ich frage mich manchmal, was so schlecht ist am Ego. Mein Ego will, dass ich mich wohl fühle, und wenn ich mich wohl fühle, fühlen sich meistens die Menschen in meiner Umgebung auch wohl. Ist es nicht viel mehr so, dass wir auf das Ego viel zu oft vergessen, weil wir glauben, wir müssten dies oder jenes für andere tun, die das vielleicht gar nicht wollen oder brauchen?
    Also, Ego und gutes tun muss für mich nicht umbedingt ein Widerspruch sein. Wenn es mir gut geht, vergönne und wünsche ich das auch den anderen und kann viel mehr geben als wenn es mir schlecht geht. Aber natürlich sollte daraus nicht blinder Egoismus werden.

  2. Hallo lieber Matthias,
    seit einiger Zeit lese ich deine Beiträge, die ich sehr bereichernd finde..
    Heute habe ich das Bedürfnis dir darauf zu antworten.
    Als erstes möchte ich dir ganz herzlich danken, dass du das, was dich im Inneren bewegt mit Anderen teilst.
    Ich finde dass du sehr mutig bist, da es ja nicht leicht ist trotz Anfeindungen und Negativität der Leute trotzdem sich treu zu bleiben und seinen Weg zu gehen.
    In deinem neuesten Blog konnte ich dich sehr gut verstehen, mir ist es als Kind ähnlich ergangen mit meinen Mitschülern.
    Natürlich fragt man sich als Kind, warum?
    Heute als Erwachsene weiß ich, warum ich abgelehnt wurde, habe ich die anderen in meinem Herzen doch auch abgelehnt.
    Ich traue mich zu behaupten, das alles was uns “passiert”mit uns selbst zu tun hat.
    Ich finde das Ego, das im lateinischen ja nur Ich bedeutet nicht negativ, nein ganz im Gegenteil ich halte es für sehr wichtig.
    Es zeigt mir an, was ich möchte, sofern ich es aufgrund meiner Konditionierung in der Kindheit überhaupt zulasse.
    Fast jeder hat gleich Schuldgefühle und Angst als egoistisch zu gelten wenn er seinem Herzen folgen will, denn man weiß ja genau wie die Umwelt reagiert, nämlich mit Kritik und Ablehnung etc.Und es ist sehr unangenehm das zu fühlen.
    Wenn man da nicht ganz gefestigt im Inneren ist, tut man nämlich genau das, was die Anderen für gut und richtig empfinden.

    In dem Moment hat man sich selbst verlassen, und die Selbstachtung schwindet.
    Wie du ja weißt ist alles Schwingung und was man ausstrahlt, bewußt wie unbewußt kommt zurück, die Anderen achten einen auch nicht, obwohl man tut was sie wollen.
    Ich kann sagen, dass ich in meinem Leben noch nie einen wirklichen Egoisten getroffen habe.
    Diejenigen die glauben, ihren gewünschten Weg aus den verschiedensten Gründen nicht gehen zu können, lassen sich oft negativ über Diejenigen aus, die ihn gehen, statt sie zum Vorbild zu nehmen.
    Ich setze mich mit diesem Thema schon lange auseinander.und habe viele interessante Erfahrungen dazu gemacht.
    Ich habe festgestellt, dass es viel leichter ist, sich über eine Person die ihren Weg geht
    negativ auszulassen, als selbst seinem Herzen zu folgen, denn das verhindert effektiv dass man den Schmerz und die Sehnsucht fühlen muss, weil man in seiner Komfortzone bleibt.
    So, das war jetzt ein langer Satz, aber ich denke du weißt was ich damit meine.
    Ich folge so gut es geht auch meinem Herzen und habe schon die absurdesten Reaktionen meiner Umwelt erlebt.
    So zum Beispiel, dass mir ein damaliger Freund mit Selbstmord drohte, wenn ich ihn zu einem Treffen mit meinen Freundinnen nicht mitnehme, weil ich da natürlich ohne ihn hinwollte.
    Ich war sprachlos!
    Er kletterte in einem Hochhaus, siebter Stock aufs Fensterbrett und drohte zu springen.
    Meine Wut, die ich darüber bekam, hat mich echt gerettet, so war keine Zeit für Angst etc.
    Ich sagte echt zu ihm, dann spring doch, was du machst ist alles andere als Liebe und auf so was habe ich keine Lust. Sogleich kletterte er wieder runter und schloss das Fenster!
    Die Beziehung habe ich sofort beendet, wäre ich auf diese emotionale Erpressung eingegangen, hätte ich mich voll in die Opferrolle begeben!
    Darüber bin ich heute noch froh.
    Also mach dir keine Sorgen lieber Matthias ob du egoistisch bist oder nicht-du bist es nicht!

    Ich wünsche dir und deiner Partnerin eine glückliche Zeit und ich freue mich, wenn du wieder mal etwas mitteilst.
    Alles Liebe und Gute
    Monika

    1. Hallo Matthias.Es zeigt von der Reife deiner Seele, einen Weg gehen zu müssen,der vorgegeben ist, obwohl sovieles nicht geplant war.Doch es hat sicher einen Sinn.Vielen Menschen wird es Stuetze werden. Genau so wie es noch für jene ist, die mit dem Herzen fühlen.Lb.Gruss , Gerti

      1. Author

        Liebe Gerti, immer wieder lese ich deine verschiedenen Kommentare über welche ich mich immer wieder freue. Danke dir! Matthias

    2. Author

      Liebe Monika, danke dir für die Zeit, die du dir für diesen wertvollen Kommentar genommen hast. Ja, wir sprechen hier von “Emotionaler Erpressung” – wie bekomme ich dich dazu, das du das tust, was ich will – koste es dich was es wolle! Schön, dass du die Situation so gut gemeistert hast. In Verbundenheit, Matthias

  3. Hallo Matthias* ich danke dir für die Teilhabe an deinem Sein. Für deine Offenheit und deine Worte, die mein Herz berühren. Lieben Dank für dein SO SEIN ; – ) Herzliche Grüsse Freya

    1. Author

      Liebe Freya, danke dir für deine genommene Zeit und dein Feedback. In Verbundenheit, Matthias

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