Matthias Exl in Portugal bei einem Baum

Erfahrung: das Leben erfahren oder es mitteilen?

In Gesundheit für die Seele by Matthias A. Exl13 Kommentare

Menschen geben gerne die Verantwortung für ihr Leben ab und machen Gott und die Welt für ihre eigene Sturheit verantwortlich. So drehen sie sich im Kreis, gefangen in problematischen Emotionen, die umfangreich mitgeteilt werden wollen. Was dies mit Wissensvermittlung, blanker Theorie und wahrer spiritueller Erfahrung zu tun hat, erfährst du im heutigen Blogeintrag.

Wissen ist etwas dienliches, wenn es darum geht, fachlich sattelfest eine Aufgabe zu erfüllen. Doch wie sieht es mit Wissensvermittlung von spirituellen Fragen aus? Das Wissen um verschiedene Yoga-Übungen, Disziplinen und Meditation mag vermittelbar sein. Um Menschen jedoch in Lebensfragen nachhaltig hilfreich zur Seite zu stehen, benötigt es weit mehr als das: persönliche Erfahrung, spirituelle Entwicklung, eine erweiterte Fähigkeit des Einfühlungsvermögens und Geduld gepaart mit der Fähigkeit des Zuhörens.

Gerade wenn Menschen viel Wissen erlangt und auch einiges davon vielleicht praktisch erfahren haben, fehlt es oftmals an Einfühlungsvermögen und der Fähigkeit zu schweigen.  Dies ist eine recht problematische Kombination: das eigene Wissen drängt nach außen, will mitgeteilt werden – koste es den überforderten Zuhörer, was es wolle. Der Beschenkte zeigt in diesem Fall eine recht kurze Aufmerksamkeitsspanne, unterbricht und will von der eigenen Theorie nicht wirklich profitieren. Umso mehr wird erklärt, hingewiesen und gestikuliert, während man den Zuhörer nach Kapitulation vor seinen Fluchttendenzen schon längst in den Untiefen der Langeweile verloren hat.

Auf der anderen Seite gibt es jene Menschen, die wahrhaftig tiefe spirituelle Erfahrungen gemacht haben. Ein gemeinsamer Nenner jener Menschen ist die Erfahrung, dass es unmöglich ist, die eigene Erfahrung auf die Erfahrung eines anderen umzumünzen. Zu verschieden sind die Wege, die einen in die momentane Lebenssituation gebracht haben. Zu unterschiedlich der Erfahrungshintergrund, der eine Vermittlung eines Dogmas unmöglich macht. Wahre Erfahrung ist nicht kopierbar. Die meisten Menschen tendieren dazu, selbst die Erfahrung einer Verbrennung beim Griff auf die Herdplatte oder dem Bügeleisen machen zu wollen.

Wissen – wahre Erfahrung?

Der, der nur Kopfwissen in sich trägt, tut sich schwer, dies zu akzeptieren und erzählt dennoch von seinen Theorien oder Reflexionen. Wieso? Ein Hinterfragen dessen wäre in Folge die Akzeptanz, dass all das Wissen nutzlos ist, wenn es im eigenen Leben nicht zur praktischen Anwendung kommt. Was nutzt es mir, alle Asanas und Lebensprinzipien des Yogas zu kennen, wenn ich diese nicht jeden Tag lebe und atme? Es würde unweigerlich zur Erkenntnis führen, dass die eigene Wissensüberheblichkeit mich selbst von tiefer spiritueller Erkenntnis getrennt hat. Dies ist ein Gedanke, der – sofern verfolgt und zugelassen – sehr weh tut. Ich weiß auf einmal, dass ich nichts weiß. Und jetzt?

Jene Menschen, die wahrhaftige tiefe spirituelle Erfahrungen gemacht haben und diese auch leben, wissen, dass in letzter Konsequenz sich alles um das wahre Vertrauen und die Hingabe zum Unbeschreiblichen dreht. Sie wissen, mein Leben gehört mir nicht, alle meine Planungen sind irrelevant für den Strom des Seins. Mein Drama ist irrelevant. Lachend spüren sie seinen Willen, der sie leitet und lenkt, der sie liebt und umsorgt. Doch wie sollte jene Erfahrung direkt vermittelbar sein? Mit dem Loslassen des Zwanges, dies vermitteln zu wollen, sind jene Menschen frei und können tatsächlich etwas Nachhaltiges vermitteln. Paradox, ich weiß.

Was bedeutet wahrhaftige Vermittlung?

Es geht darum, den Menschen an jene sich selbst auferlegten Grenzen und Gitterstäbe zu führen, sodass der Suchende diese selbstständig erkennen und sprengen kann. Wie oft werden die Vermittler deswegen als kalt, hartherzig, seltsam oder arg beschimpft. Meine oftmals ebenso harte Lehrerin Phyllis Krystal sagte einst zu mir: „Menschen sind wie kleine Kinder. Immer wollen sie etwas und wenn sie es nicht erhalten, gibt es Drama.“ Phyllis ist sehr direkt und streng in den Zurechtweisungen der Menschen und akzeptiert, wenn sie deswegen nicht gemocht wird. Viele Jahre konnte ich den Ansatz zwar verstehen, diesem aber nicht vom Herzen her folgen. Voll war ich mit der eigenen Angst, jemanden zu verletzen. Dies war nicht mehr, als meine eigenen Gitterstäbe, die mich in der Entwicklung hemmten. Jene Angst entsprang dem Gefühl, dass manche sich abwenden würden, wenn ich in einer Situation viel zu klare Worte finden würde. Dies ist schon lange her. Nun finde ich die Worte und viele wenden sich ab. Dies ist auch gut so, sie gehen selbstständig ihren Weg und reifen auf diese Weise, während ich gleichzeitig von meiner Angst befreit wurde.

Erst kürzlich bekam ich einen Brief von jemanden, der sich vor vielen Jahren lautstark abgewendet hatte. Vieles wurde damals über mich gesagt und noch mehr gefühlt. Der jetzige Brief war ein Ausdruck von Liebe und Dankbarkeit, getragen von eigener spiritueller Erfahrung und enthielt einen Schlüsselsatz: „Erst heute weiß ich, was du für mich getan hast. Es hat nur gedauert, bis ich dies sehen konnte“.

Dies ist kein Einzelfall, sondern beschreibt nur, wie wir Menschen oftmals reagieren: wie Kinder, die beleidigt sind, wenn sie nicht das bekommen, was sie wollen. Drama ist ein willkommenes Mittel, der scheinbaren Gemeinheit der Welt zu begegnen. Der Weg heraus? Höre auf, dir selbst leid zu tun. Übernimm endlich Verantwortung für dein Leben, erkenne, dass du es bist, der für die eigene emotionale Wirklichkeit Verantwortung trägt. Niemand sonst. Wie Eisenhower schon sagte: “Die Jagd nach dem Sündenbock ist die einfachste.“ Finde den Teil, der das Drama in dir erzeugt. Vielleicht ist es Zeit, sich der Übung des Loslassens von Phyllis Krystal zu widmen oder auch mit den Zwillingseigenschaften zu arbeiten. Auf keinen Fall mache deine Mitmenschen für irgendetwas verantwortlich – bleibe bei dir und deiner Kraft! Selbst wenn du es leid bist, zu dir hin zu sehen, finde den Teil, der beleidigt „es leid“ ist, hinzusehen und lasse diesen ziehen. Tust du es nicht, drehst nur du dich noch länger im Kreis der eigenen Sturheit und deine Tanzpartner sind Wut, Unverständnis, Schmerz und auch Hass.

Auch interessant:  Gibst du mir deine Erlaubnis?

Bist du der, der seinen Mitmenschen helfen will und etwas vermitteln will: lasse los, etwas vermitteln zu wollen. Hast du wahrhaftig die Fähigkeit, Menschen zu bewegen, kommen sie von ganz alleine – ohne Selbstmarketing und ein Übermaß an Worten. Kommen sie nicht zu dir, ist es noch nicht an der Zeit. Widme dich in diesem Fall deiner eigenen Entwicklung, spreche weniger und zwangsbekehre nicht. Lerne wahrhaftig zu vertrauen und loszulassen. Dies bedeutet, dass der Strom schon längst den Plan festgelegt hat, wann du was und wie tun wirst. Kämpfe nicht dagegen an, sei dir bewusst, dass es lediglich darum geht: wisse nicht nur, sondern erfahre, wie wichtig es ist, alle Agenda vertrauensvoll in seine Hände zu legen.

Erfahrung leben!

In Kaschmir trafen wir Weise, die stiller waren. Menschen, die bei einem Gespräch wahrhaftig zuhören konnten und nicht danach strebten, verstanden zu werden. Doch wenn sie ihren Mund einmal öffneten, trafen sie stets den Punkt. Jede Silbe war eine Perle, man dürstete förmlich nach mehr. Denn aus ihrem Mund floss der Strom selbst, ohne Rücksicht auf emotionale Stolpersteine ihrer Zuhörer. Doch es war jener Strom, der – sofern man dafür offen war – Heilung brachte, auch wenn die Medizin manchmal bitter schmeckte. Die pure Essenz des Seins ergoss sich durch ihre Worte über uns und waren heilsamer Segen. Ja, sie sind Gott sehr nahe!

Doch was bedeutet dies für dich und mich? Alles! So frage dich genau heute: fließt aus deinem Mund der segensreiche Strom?

Nein? Fragst du dich, wie dies möglich sein könnte?

Sehr einfach: lasse nach und nach in deiner Sprache jegliche Form von Drama, Anklage und Geschwätz weg. Danach lasse diese Teile auch in deinen Gedanken weg. Beobachte dabei, was übrig bleibt.

Anleitung zur Selbstreflexion - Eine Frau, die an einem Teich sitzt und ein Buch liestMein Geschenk an dich: Leitfaden zur Selbstreflexion

Für jene Menschen, die selbständig an sich arbeiten wollen, habe ich einen Leitfaden zusammengestellt, in dem ich beschreibe, wie du auf ehrliche und systematische Weise Selbstreflexion betreiben kannst. Du findest darin praktische Tipps, wie du all jene unbewussten Muster aufspüren kannst, die so viele Probleme verursachen. Die Abonnenten meines Blogs (das Abo ist kostenlos) können den Leitfaden zur Selbstreflexion gratis herunterladen. Hier kannst du dich eintragen, wenn du über neue Artikel von mir informiert werden möchtest, inklusive Gratisdownload meines achtseitigen Booklets.

Um in Zukunft keine Artikel zu verpassen, kannst du dich hier mit uns verbinden: YouTube, InstagramFacebook, Twitter, PinterestGoogle+ Profil. Keine Sorge, wir spammen nicht, wie Tausende von Followern bestätigen!

Bücher, die ich zum Thema Erfahrung gerne empfehle

In Verbundenheit,

Graphische Unterschrift von Matthias Exl

Sandra und Matthias in Paris

Teile diesen Beitrag und unterstütze meine Arbeit!

13
Hinterlasse einen Kommentar

5 Comment threads
8 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
5 Comment authors
  Abonnieren  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
Rebekka Kopeinig-Shahali

Lieber Matthias, danke wieder für deinen letzten Eintrag “Das Leben erfahren oder es mitteilen”….. Seid ich langsam erkenne das NUR ICH ALLEIN für meine kleinen oder grossen DRAMEN in meinem Leben zuständig,besser verantwortllich bin und war,passiert ja ganz erstaunliches tagtäglich……(Wunder!!) Ja,es FÜHLT sich alles anderst an!! Die Fähigkeit darüber zu schweigen lernen ist FÜR MICH eine wunderbare Übung….. Auch ich machte oft den Fehler der “Zwangsbekehrung” wenn Menschen mich um Rat fragten oder wieder mal ein “Rezept” für diverse Lebensprobleme brauchten……….. Um Ihr Leben dann “morgen” oder irgendwann zu verändern…..Denn die “Welt” da draussen ist schlecht und gemein ….(Scherz) Seit… Weiterlesen »

Lieber Matthias, Klasse Worte. Gefallen mir sehr gut. Ich habe einmal einen Satz gelesen, der mich sehr angesprochen hat: “Es gibt drei verschiedene Meinungen, Deine, meine und Gottes Meinung. Welche glaubst Du ist die Richtige?” Ich antworte oft, wenn jemand zu mir sagt, dass ich Recht hätte, was mir seit vielen Jahren unwichtig ist, dass der Chef immer Recht hat. Den lieben Gott nenne ich gerne den Chef. Ich weiss ebenfalls, dass ich überhaupt nichts weiss. Denn wenn ich glauben würde, etwas zu wissen, würde ich mich für das wahre Wissen verschlissen. Wenn wir irgendetwas wissen sollen, dann wird es… Weiterlesen »

nannas

Danke Matthias! Dein Buch,Deine Worte berühren mich ganz tief! Ich habe meine Verbundenheit zu Gott wieder gefunden. Noch nicht so wie ich es mir Wünsche, aber der weg hat ja auch erst sei en Anfang genommen. Ich werde mich auf jeden fall durch deinen Blog, durch die Videos und das Buch weiter von dir begleiten lassen :)! Es fühlt sich gut und richtig an. Nochmal von Herzen danke! Alles liebe für dich und deine Frau
Susanne

Rebekka Kopeinig-Shahali

Liebe Mitmenschen und Mitschreiber dieser Seite, euch allen HEUTE und JETZT einen wunderbaren Herbsttag. Ich stelle fest und ich freue mich einfach in diesem Forum meine Gedanken niederzuschreiben…… Da ich gerade jetzt in einer unglaublichen inneren Veränderungsphase bin,merke ich auch wieviel KRAFT diese Welle der Veränderung in sich trägt. Wie Matthias es auch beschreibt, habe auch ich momentan das Gefühl,als hätte ich einen STURM ausgelöst,nämlich im Aussen,besser gesagt im Familenverband…………. Die Reaktion ist vielfältig,von Nichtverstehen oder Konflikte oder mich auf eine Rolle zu reduzieren wollen….Oder Streit um Nichtigkeiten auszulösen. Eine gute Frau ist…………… (diese oder jenes). Die Rollen MÜSSEN verteilt… Weiterlesen »

Brigite

Lieber Matthias,
vielen Dank für diesen Eintrag. Er hat mir sehr geholfen. Vielleicht höre ich nun endlich auf mich im Kreis zu drehen.
Brigitte