Zwei Männer beim Bergsteigen

Wie entwickle ich Authentizität?

In Gesundheit für die Seele, Weltgeschehnisse & Auswirkung by Matthias A. Exl15 Kommentare

Wenn zwei Falken auf einem Baum sitzen, und es fliegt ein Schwarm Wildenten vorbei – dann sagt nicht ein Falke zum Anderen: “Schau, da fliegt die Mehrheit, das muss der richtige Weg sein, schließen wir uns an!”. Sie werden weiterhin als Falken dem Weg der Falken folgen. Falken verbiegen sich nicht, sie sind authentisch in dem, was sie tun. Doch wie sieht es mit der eigenen Authentizität aus?

Kürzlich sind Sandra und ich nach einer Zeit voller Wunder aus Kaschmir nach Österreich zurückgekehrt. Unsere Reise durch die Welt nimmt an diesem Punkt ihr vorläufiges Ende. Tatsächlich fühlt es sich an, als ob der Jakobsweg erst jetzt zu seiner Vollendung gebracht wurde. Klarheit und Ruhe sind unsere täglichen Begleiter geworden, wie auch die tiefe Dankbarkeit für all das, was uns geschenkt wurde. Das Vertrauen nach vielen Monaten der Reise lässt sich als klares „Flow“-Erlebnis beschreiben, welches einen die Zusammenhänge und die Intelligenz dahinter wahrnehmen lässt. Bewegt man sich im Strom und folgt diesem ohne Angst vor der Konsequenz, entwickelt sich automatisch eine Eigenschaft, die sich Authentizität nennt.

Was ist Authentizität?

Wikipedia meint in Bezug auf den Menschen, dass „das Handeln einer Person nicht durch äußere Einflüsse bestimmt wird, sondern in der Person selbst begründet liegt. Gruppenzwang und Manipulation beispielsweise unterwandern persönliche Authentizität.

(…) vier Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit man sich selbst als authentisch erlebt:

  • Bewusstsein – Ein authentischer Mensch kennt seine Stärken und Schwächen ebenso wie seine Gefühle und Motive für bestimmte Verhaltensweisen. Erst durch diese Selbstreflexion ist er in der Lage, sein Handeln bewusst zu erleben und zu beeinflussen.
  • Ehrlichkeit – Hierzu gehört, der realen Umgebung ins Auge zu blicken und auch unangenehme Rückmeldungen zu akzeptieren.
  • Konsequenz – Ein authentischer Mensch handelt nach seinen Werten. Das gilt für die gesetzten Prioritäten und auch für den Fall, dass er sich dadurch Nachteile einhandelt. Kaum etwas wirkt verlogener und unechter als ein Opportunist.
  • Aufrichtigkeit – Authentizität beinhaltet die Bereitschaft, seine negativen Seiten nicht zu verleugnen.

Eine als authentisch bezeichnete Person wirkt besonders „echt“. Sie vermittelt ein Bild von sich, das beim Betrachter als real, urwüchsig, unverbogen, ungekünstelt wahrgenommen wird.“ (1)

Die positive Wirkungsweise von Authentizität

  • Erkenne ich die Grundlage meiner wahren Motivation, kann ich den Antrieb für vielleicht problematische Handlungsweisen korrigieren, anstatt mich nur zu zwingen, gewisse Dinge nicht zu tun.
  • Akzeptiere ich die Welt als einen großen Feedback Dealer, erkenne ich auch den Süchtigen in mir, der von einer speziellen Form des Feedbacks abhängig ist. Dies soll nicht bedeuten, dass Feedback schlecht ist: doch die Natur der Sache ist, dass schmerzendes Feedback oder Feedbackabhängigkeit lediglich einen nicht heilen Aspekt in mir aufzeigt.
  • Mit aller Konsequenz zu handeln, schafft innere Ruhe und Zufriedenheit. Ich bleibe mir selbst treu, ich verbiege mich nicht, ich folge dem inneren Ruf im Wissen, dass dieser weiser ist als die Stimme der scheinbaren Vernunft.
  • Erkenne ich meinen Schatten, finde ich ebenso seine Wurzel. Jähzorn kann entweder unterdrückt werden und äußert sich dann als scheinbare Ruhe jenseits eines Buddha Zustandes. Anerkenne ich meine Wut, wird sich auch der Ursprung dieser finden. Finde ich den Ursprung, kann ich mit diesem arbeiten und so bleibende, wirkliche Ruhe finden.
  • Wir sehen, die Faktoren, die zur Authentizität führen, beeinflussen das Leben eines Menschen in sehr positiver Art. Dies bedeutet jedoch nicht, dass ein authentischer Mensch zum Liebling seiner Mitmenschen wird. Dies wiederum ist keinerlei Problem, denn ein authentischer Mensch erkennt schnell den Grund der Ablehnung seiner Mitmenschen: eine tiefsitzende Wunde und ein Mangel an Teilaspekten der eignen Authentizität.

Die Schwierigkeit authentisch zu sein

Menschen lieben es, sich zu verbiegen! Der Mensch verbiegt Wahrheit, um eigene Handlungsweisen zu rechtfertigen. Eine neue Wirklichkeit ist geboren, die oftmals lautstark den Mitmenschen mitgeteilt werden muss. Die Folge ist eine Lagerbildung der Zuhörer, der eine glaubt dies, der andere das. Die üppige Form der ausgeschmückten Mitteilung eigener Wirklichkeiten als Opfer der vermeintlich bösen Welt lässt viele lange in einer selbst-erschaffenen Hölle schmoren. Der Mangel an Selbstreflexion untergräbt jeglichen Ansatz von Authentizität.

Wieder andere spüren den inneren Ruf, Neuland zu entdecken, also große Veränderungen im eigenen Leben vorzunehmen. Doch es fehlt an der Fähigkeit, dies konsequent umzusetzen: schnell wird der innere Ruf abgeschwächt und relativiert, Sicherheiten werden gesucht und eine verbogene Form der eigentlich notwendigen Handlung wird geboren. Übrig bleibt ein entstellter Kompromiss der Angst, der als Vernunft den Mitmenschen verkauft wird. Übrig bleibt ein Möchtegern-Fallschirmspringer, der aus 25 Zentimeter Höhe in das aufgebettete Bett fällt.

Neben vielen weiteren Formen sei noch der authentische Lügner erwähnt: er glaubt mittlerweile seine eigene Geschichte und ist innerhalb dieser Parameter authentisch. Die Rolle des z.B. lustigen Kumpels ist zur Identität geworden, während es in seinem Inneren gänzlich anders aussieht. „The show must go on!“ ist das Motto jener Menschen, die oftmals starke Stimmungsschwankungen erleben. Das Mittel der in Echtzeit angepassten Geschichten zur Rechtfertigung der eigenen Wirklichkeit wird gerne und im Übermaß angewendet. Die gute Miene zum bösen Spiel ist ein standardisierter Gesichtsausdruck, während die Seele leidet.

Auch interessant:  Wieso geht man den Jakobsweg?

Tipps zum Thema Authentizität

Suchst du wahre Ruhe, innere Zufriedenheit und Motivation für deine Projekte, ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Authentizität unerlässlich! Die folgenden Tipps sollen dir helfen, deine wahren Stärken und Selbstvertrauen zu entwickeln:

  • Egal, wie oft du dies schon gehört hast: widme dich der Selbstreflexion! Sei ehrlich zu dir selbst. Bist du ein authentischer Lügner, mache einen einfachen Test: wessen Meinung über dich ist dir wichtig? Bitte genau jene Person um Feedback zu deinen negativen Eigenschaften. Überprüfe, wie jenes Feedback auf dich wirkt – prüfe es auf Wahrheitsgehalt, verwerfe es nicht sofort. Bist du dir unsicher über eine Eigenschaft, frage in Bezug auf diese Eigenschaft weitere Personen. Alternativ verwende die Übung der Zwillingseigenschaften aus dem Leitfaden der Selbstreflexion, um problematische Aspekte in dir zu entlarven.
  • Bleibe dir selbst treu! Finde deinen Weg und nicht den Weg deiner Mitmenschen. Sei dir bewusst, dass du jede Möglichkeit hast, alles zu ändern. Niemand trägt Verantwortung für dein Leben außer du selbst.
  • Verbiege dich nicht! Du suchst einen neuen Job und willst dich für diesen beim Jobinterview anpassen? Bleibe authentisch! Sei du selbst! Verbiegst du dich und verkaufst dich beim Interview, dauert es nicht lange im Berufsleben, bis die Firma deine Lüge entdeckt. Mit Authentizität gehst du diesem Problem aus dem Weg.
  • Sei konsequent! Du spürst den Ruf in dir? Fühlst du auch die Stimme, die den Ruf wiederum relativieren möchte? Höre nicht auf sie! Zu viele Menschen sind vernünftig, zu wenige sind mutig.

Setze Tag für Tag diese Tipps um, und du wirst authentisch leben. Es liegt an dir, die Zecke im Schafspelz des Schafs bzw. das Schaf in der Herde zu sein. Nur sehr wenige sind mutig und konsequent genug, den Trott der Herde zu verlassen, um dadurch zu erkennen, dass sie weder das Schaf, noch die Zecke, sondern in Wahrheit der Hirte sind. Gehörst du dazu?

Anleitung zur Selbstreflexion - Eine Frau, die an einem Teich sitzt und ein Buch liestMein Geschenk an dich: Leitfaden zur Selbstreflexion

Für jene Menschen, die selbständig an sich arbeiten wollen, habe ich einen Leitfaden zusammengestellt, in dem ich beschreibe, wie du auf ehrliche und systematische Weise Selbstreflexion betreiben kannst. Du findest darin praktische Tipps, wie du all jene unbewussten Muster aufspüren kannst, die so viele Probleme verursachen. Die Abonnenten meines Blogs (das Abo ist kostenlos) können den Leitfaden zur Selbstreflexion gratis herunterladen. Hier kannst du dich eintragen, wenn du über neue Artikel von mir informiert werden möchtest, inklusive Gratisdownload meines achtseitigen Booklets.

Um in Zukunft keine Artikel zu verpassen, kannst du dich hier mit uns verbinden: YouTube, InstagramFacebook, Twitter, PinterestGoogle+ Profil. Keine Sorge, wir spammen nicht, wie Tausende von Followern bestätigen!

Gerne empfehle ich die folgenden Bücher zum Thema Authentizität

In Verbundenheit,

Graphische Unterschrift von Matthias Exl

Referenzen und weiterführende Informationen:

Teile diesen Beitrag und unterstütze meine Arbeit!

15
Hinterlasse einen Kommentar

5 Comment threads
10 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
7 Comment authors
  Abonnieren  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
Achim Lützelschwab

Sowohl informativ als auch hilfreich zum Vertiefen mancher Aspekte.
Danke für deine Zeit und Führung.

Norbert

Ich ergänze die hier angeführten Beispiele um ein weiteres Detail. Von der Erkenntnis der Weltreisen bis hin zum Mikrokosmos der (abgelaufenen) Lebensmittelreste die täglich in den Mülleimer wandern. Grosskonzerne entsorgen täglich beachtliche Mengen an brauchbaren Lebensmittel, weil sie nach geltenden gesetzlichen Richtlinien für den Endverbraucher nicht mehr für den Verkauf geeignet sind. Diese lagern bis zum nächsten Tag in den hauseigenen Müllcontainern, bevor sie vernichtet werden. Ich weiss nicht, ob diese Zeilen so in den Rahmen passen, aber wer schon mal aktiv am sogenannten Dumpster-Diving beteiligt war, sieht den Wert der Nahrung in den Regalen später mit ganz anderen Augen.… Weiterlesen »

Rebekka Kopeinig-Shahali

Lieber Norbert, ich kann mich deiner Ansicht NUR GANZ anschliessen.Was alles an ESSBAREM in unserem Wohlstandsland vernichtet wird ist unbeschreiblich,und auch ich gehe HEUTE mit ganz anderen Augen einkaufen!! Was du beschreibst gibt es ja auch in Wien,ich selber war zwar noch nie beim Dumpster-Diving, doch habe ich auch erfahren das grosse Filialen ect. mittlerweile auch diese “Containerräume” bewachen lassen oder mit Flüssigkeiten versehen, damit essbares nicht mehr gegessen werden kann….. Vor einigen Jahren habe ich in einer Einrichtung gearbeitet,wo Mitarbeiter zuerst noch ein Mittagessen günstig kaufen konnten, dann wurde es vom neuen Geschäftsführer untersagt,bzw. mussten alle eine Liste unterschreiben.… Weiterlesen »

Norbert

Liebe Rebekka, Matthias! Vielen Dank für Euer Feedback. Foodsharing ist eine gute Sache und auch andere Ideen die damit zusammenhängen. Und du hast recht, Rebekka. Es geht vor allem darum, den nachfolgenden Generationen ein Vorbild zu sein. Es ist unsere Verantwortung, nicht nur unseren eigenen Kindern gegenüber. Ich habe dieses Dumpstern auch schon in meinem Kollegenkreis eingebracht und naturgemäßes Schweigen geerntet oder eine kleine hämische Bemerkung dazu. Wirklich auseinandersetzen trauen sich die meisten kaum, aber ich weiß wie sie denken, was mich aber nicht weiter stört. Auch bin ich Deiner Meinung manchmal den Mund aufzumachen wenn es drauf ankommt. Wie… Weiterlesen »

Rebekka Kopeinig-Shahali

Lieber Norbert, schönen guten Morgen aus Wien, Danke dir für deine Zeilen und auch deine Verantwortung die du wahr nimmst und bereits lebst!! Ich habe diesmal bei dem Thema “Authentisch” sein, in dem wichtigen Beitrag von Matthias die Stelle besonders gut gefunden, wo er das Beispiel der Falken bringt und wie sich die verhalten…..Gegenübergestellt die Wildgänse…….. SICHER ist das ganz einfach immer in Reih und Glied “brav” mitmarschieren, ABER bleibst du da noch du selbst?? Dieses Verleugnen und ANPASSEN um keine “Schwierigkeiten” zu haben resultiert dann eigentlich zu ganz vielen “Problemen”…… Ich persönlich bemerke um mich herum bereits mehr MUTIGE… Weiterlesen »

Norbert

Liebe Rebekka Dir auch einen schönen Tag aus Wien :(zumindest geografisch) Ja, das Beispiel mit den Falken gefällt mir auch, weil der Falke an sich meines Erachtens nach für den Willen steht und demgegenüber die Formation der Mehrheit, die immer in eine Richtung fliegt. Sehr passend gewählt. Ich habe eine Tochter im Kindergartenalter und erlebe eine neue Form des Anpassens. Der Trick dabei ist aber auf die Details Acht zu geben, was bedeutet, für sie klar zu definieren was die Masse macht und wie sie dabei selbst handelt. Da sie bereits authentisch ist, wird es meine Aufgabe sein, diese natürliche… Weiterlesen »

Nanna6

Danke Matthias für den Beitrag! Genau das Thema habe ich im Moment. Ich habe wirklich oft Ängste wenn ich mich traue authentisch zu sein. Aber seit dem ich mich traue es zu sein, loszulassen und zu vertrauen, merke ich wie ich nach und nach ruhiger werde.
Herzliche Grüße in Verbundenheit Susanne

Rebekka Kopeinig-Shahali

Lieber Norbert, danke dir für deine Antwort und deine Gedanken.Ja,ich beobachte auch schon länger, “wie” das so ist mit dem “authentisch” sein….. Mein/unser 11jähriger Sohn hat auch ein Bewusstsein entwickelt, wo ICH manchmal nur so “staune” und dann mit mir den Vergleich anstelle, wie ich denn “damals” 11jährig war…………. Heute als 48jährige Frau,kann ich natürlich einen Rückbkick machen,von authentisch sein zu können in meiner “Kindheit” war nicht viel im Aussen zu spüren….. Ich war ein braves Kind,sozusagen………..Ich wollte geliebt werden!! Das wollen wir ja alle!! ABER heute denke ICH und fühle ich, wie gut es mir und meiner Seele tut,… Weiterlesen »

Gerti Lintner

Lieber Matthias!Herrlich beschrieben,der 25cm Sprung,Ich muss lachen.Ansonsten versuche ich auch, die Herde zu verlassen,es erweitert schon die Sicht,Doch oft kommt auch ein Gefühl von Unverstanden auf.Es ist schön,dass Du wieder
in die Nähe von uns kommst.Ganz iieben Gruß, von Gerti

Gertrud Steindl

Derzeit gelingt es mir nur. meine Authentizität zu finden, wenn ich mich lange alleine in der Natur aufhalte, dann spüre ich meine Kraft. Mit Menschen erlebe ich viel Überlastungen und Defizite. Ich versuche mich von negativen Verhaltensmustern abzugrenzen, doch dennoch vermisse ich Begegnungen, bei denen wir uns gegenseitig gut tun. Ich hoffe, ich finde meine Kraft wieder um selber etwas dazu beizutragen.