Sandra und Matthias Exl am Jakobsweweg in der sonne

Wieso geht man den Jakobsweg?

In Gesundheit für die Seele by Matthias A. Exl15 Kommentare

Kürzlich erhielt ich eine Anfrage einer Blog Leserin, die sich fragte, wieso so viele Menschen gerade den Jakobsweg gehen würden und was man versäumen würde, wenn man diesen nicht gehe. Was bringt der Jakobsweg wirklich? Ist dieser spirituell wirklich wertvoll oder kann ich die Erfahrung auch anders machen?

Machen wir zuerst einen Schritt zurück in unsere Kindheit. Kinder sind unglaublich schöpferische Wesen, die die Beschränkungen des Erwachsenen-Verstandes noch nicht kennen. Für die meisten Kinder ist alles möglich, sie fühlen sich wie Götter und „das geht nicht, weil…“ ist ihnen oft unbekannt. Kinder sind noch nicht gelähmt von Zukunftsangst und noch nicht auf Vorsorge getrimmt. Zumindest in der frühen Kindheit sind sie noch frei von Zwängen des Konsumterrors und Absicherung ist ein Fremdwort.

Lebensfreude versus Lebensplanung

Es dauert nicht lange, bis das westliche Erziehungssystem aus den kleinen Göttern große Angsthasen geformt hat. Zukunftsängste, Leistungsdruck, Schulnoten, Geld, Ansehen, Status, Konsum und weitere scheinbar wichtige Konzepte verdrängen die natürliche Lebensfreude immer mehr und fordern ihren Tribut. Eine wirtschaftliche Lebensplanung, Vorsorge und die Angst vor Unsicherheiten nehmen immer größere Lebensräume ein und fordern uns auf, durch verdientes Geld beschwichtigt zu werden. Dies ist ein Weg, der uns weg von Lebensfreude direkt in ein Leben voller Bedauern führt. Ein Leben, dass voller entgangener Möglichkeiten ist.

Das Hamsterrad

Irgendwann jedoch wachen so manche Hamster während des Laufens im Rad auf. Dies ist ein höchst unangenehmer Prozess, der unangenehme Fragen aufwirft: wie viele Pfoten breche ich mir, wenn ich nicht weiterlaufe? Ich laufe doch nur so schnell, weil das Hamsterrad sich so schnell dreht! Würde das Hamsterrad langsamer laufen, wäre auch ich ruhiger. Welche Wahl habe ich außer zu laufen? Wieso bin ich überhaupt im Hamsterrad? Bin ich überhaupt ein Hamster? Was mache ich hier überhaupt??? Hallo????

Rückbesinnung und Tapetenwechsel

Sofern diese ersten Reflexionen Früchte tragen, bemühen sich manche Menschen um einen Ausbruch. Die goldenen Gitterstäbe werden nach und nach identifiziert. Viele Menschen erleben in der Zeit des Hinterfragens grundlegende Veränderungen: sei es, dass eine Beziehung beendet oder ein Beruf aufgegeben wird oder dass es zu einer anderen großen Lebensveränderung kommt. Das Hinterfragen an sich oftmals gepaart mit Veränderungen, scheint ein großer Motivator für Menschen zu sein, sich eine Auszeit zu nehmen. Ein Tapetenwechsel ist angesagt, es entsteht nicht nur der Wunsch, das Hamsterrad zu verlassen, sondern den Käfig und das Haus in dem der Käfig steht.

Matthias am JakobswegDer Jakobsweg ruft

Der Jakobsweg hat einiges zu bieten: Ungewissheit, Ruhe, Unbekanntes, Freude, Schmerz, Drama, Erlösung, Läuterung, Rückbesinnung, Konflikte, Lösungen und vieles mehr. Am Weg selbst scheint das Leben in komprimierter Form abzulaufen. Je ungeplanter und freier man sich auf dieses Abenteuer einlässt, umso besser. Planung und Kontrolle stehen im absoluten Widerspruch zu der Idee des Weges an sich. Vielmehr geht es darum, sich einzulassen, loszulassen und sich dem Weg und seinen Prüfungen hinzugeben. Prüfungen und Entbehrungen gibt es zur Genüge. Der Jakobsweg ist ein ideales Allheilmittel, um Dramaqueens und Egozentriker auf den Boden der Genügsamkeit und Einsicht zurückzuführen. Der Weg an sich schränkt automatisch das Ego ein und je nach Größe desselben leide ich mehr oder weniger. Doch genau durch jenen Leidensprozess erfahre ich Läuterung.

Läuterung am Jakobsweg

Läuterung ist eine spirituelle Gesundung. Dieser Prozess ist vergleichbar mit der positiven Erfahrung, die durch Hunger ausgelöst werden kann. Was meine ich damit? Hunger ist der beste Koch. Durch Hunger erfahre ich viel mehr, wenn ich Nahrung erhalte, wie gut diese schmeckt. Genauso ist es mit dem Jakobsweg im spirituellen Sinne. Durch die Länge des Weges, durch die Anstrengungen, durch die Entbehrungen fastet die “Diva” in uns. Der Dramatiker hungert sich zu Tode. Mit jedem Schritt befreit man sich mehr und mehr von sich selbst und von dem über die Jahre aufgebauten gedanklichen und emotionalen Fett. Ja, wir sind sehr oft spirituell fette und unbewegliche Hamster, die darüber nachdenken, ob sie wohl morgen genug zu futtern bekommen. Der Jakobsweg ist die Diät, Entbehrung und Anstrengung das Fasten, spirituelle Läuterung der Gewichtsverlust.

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Alternativen zum Jakobsweg

Es ist schwierig, etwas Vergleichbares zu finden. Der Alltag kann kaum dieselbe Erfahrung beinhalten, selbst wenn ich mich noch so spirituell bemühe. Es fehlt einfach die Ungewissheit des Jakobswegs an sich, die man künstlich nicht erzeugen kann. Selbst relativ lange Retreats sind im Vergleich zum Jakobsweg viel zu kurz. Pilgerwanderungen im klassischen Sinn sind ebenfalls viel zu kurz und oftmals zu geplant, als dass sie mit der Erfahrung des Jakobsweges zu vergleichen wären.

Empfehlungen und Tipps zum Jakobsweg

  • Wenn der Jakobsweg ruft, so wie er auch mich gerufen hat, lassen Sie sich ein! Voll und ganz! Planen Sie nicht – noch einmal: planen Sie nicht! Übergeben Sie den Plan dem Weg an sich. Ja, es ist möglich, den Weg ohne Planung zu gehen.
  • Nehmen Sie sich Zeit: hier waren Sandra und ich tatsächlich „extrem“. Wir gingen den Weg ohne zu wissen, wann oder ob wir von diesem zurückkehren würden. Wir waren bereit, uns auf alles einzulassen. Dies hat sich wahrlich bezahlt gemacht… Die Folge war ein Vertrauen in das Schicksal, welches alles vorher gekannte bei weitem übersteigt.
  • Reisen Sie mit leichtem Gepäck! Nicht nur am Jakobsweg, sondern auch durch das Leben an sich!
  • Sie glauben, nicht die Zeit zu haben, um den Jakobsweg zu gehen? Dann lassen Sie es. Gehen Sie den Weg dann, wenn Sie sich die notwendige Zeit nehmen.
  • Lassen Sie alle Dogmen rund um den Jakobsweg los. Lassen Sie sich auf Ihren Weg ein.

Für Sandra und mich war der Jakobsweg das Ziel aller Reisen. Der Jakobsweg verwandelt einen auf wunderbare Weise. Jeder Mensch bekommt genau das, was notwendig ist. Jeder hat die Fähigkeit, dies zu erkennen, wenn man sich dem Weg hingibt. Die Zeichen sind dann selbsterklärend.

Wie der Dalai Lama in seinen empfohlenen Lebensregeln einst sagte: „Besuche einmal im Jahr einen Ort, den Du noch nicht kennst.“ Der Jakobsweg ist prädestiniert dafür und eine Offenbarung für den wahrhaftig Suchenden. Wer den Jakobsweg geht, wird eines sicherlich finden: Lebensfreude! Es gilt nun nur noch, sich nicht wieder ein altbekanntes Hamsterrad zu suchen.

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Bücher und DVD´s, die ich zum Thema Jakobsweg gerne empfehle:

In Verbundenheit,

Graphische Unterschrift von Matthias Exl

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Angelika

Danke dir lieber Matthias für diese Zeilen und die Führung,

das immer gegenwärtige “Hamsterrad” ist eine sehr große Blockade in welcher wir irgendwie hängen bleiben.

Zurückblenden tun wir bzw. ich mich sehr gerne, an eine wunderschöne unbescholtene Kindheit, jeder Tag und Moment ist einzigartig und mit voller Freude und Erwartungen verbunden.

Dieses fehlt so sehr und macht müde, gefangen im “Hamsterrad” und dem zu kleinen Käfig sowieso.

Einen Schritt vor und zwei zurück, hat vielleicht doch etwas positives in sich!

Alles Liebe dir

Angelika

Rebekka Kopeinig-Shahali

Lieber Matthias, ich sage dir wieder DANKE für deinen Beitrag über den Jakobsweg.Wenn der Ruf ertönt,so folge ihm!! Ich bin den Jakobsweg noch nicht gegangen,doch seit ich mich,(seit dem Sommer) “massiv” mit meinen eigenen Veränderungen und auch Ängsten beschäftige,merke ich wie einige “Schalen” und “Festungen” abfallen,weich werden,meine “innere” Stimme an Festigkeit “gewinnt”. Das Hamsterrad, das viele von uns kennen und uns gerne im “Alltag” verschlingen möchte,habe ich schon etwas “minimiert”.Zum einen Teil,habe ich meiner Arbeit einen anderen Stellenwert “zugedacht”,und diese stundenmässig reduziert…..Zum anderen schenke ich mir nun VIEL mehr Eigenzeit,schenke mir Stunden bei “meiner” Energetikerin,bin viel ehrlicher zu mir selber,MUSS… Weiterlesen »

Ich

Hallo! Ich bin 25 Jahre alt, habe eine tolle Karriere vorzuweisen (HTL mit Auszeichnung, nebenbei immer fleißig gearbeitet, damit ja viel Geld hereinkommt, tolle berufliche Karriereleitern bestiegen, berufsbegleitend meinen Dipl.Ing. ergattert, war immer der Stolz meines Vaters und auch meiner selbst, verdiene ein tolles Geld, fahre ein tolles Auto, habe alles was man sich wünschen kann habe immer viel geleistet und alles gemeistert – vielen alles Recht gemacht, und, und, und…) UND ???? Es geht mir ausgezeichnet, ich müsste durchwegs zufrieden sein aber es geht mir schlecht… Und noch viel schlechter geht es mir, WEIL es mir schlecht geht! Eigentlich… Weiterlesen »

Norbert

Hallo, Ich Komisch, ich nehme immer wieder wahr, wie schlecht es Menschen geht, die eine gute Kindheit hatten, entsprechend gefördert wurden, eine tolle Karriere hinter sich haben usw… Vielleicht wäre es demnach umgekehrt besser… Mit Herausforderungen groß zu werden um zu erkennen, was man/frau JETZT hat, abgesehen von all den Erwartungen die du erfüllst um anderen zu genügen, nur nicht dir selbst. Die Leere in Dir kann ich gut nachvollziehen, vor allem, weil du nicht weißt wer Du selbst bist. Die Interpretation der äußeren Welt weist Dir einen aus Nummern und Zahlen generierten Code zu, also eine sogenannte Identität. Genealogische… Weiterlesen »

Ich

danke…!
lg melanie

Gerti Lintner

Hallo Ich! Du hast sehr viel erreicht,doch dich selbst ein wenig verloren.Versuche dem Leben,eine neue Sicht zu
geben,deren Wert,auch dein Inneres,mit Freude erfüllt.Sonst bleibt die Leere,die keine Erfüllung kennt.

Rebekka Kopeinig-Shahali

Liebes “Ich”! gestatte mir auch noch meine Ansicht zu deinem Beitrag “kundzutun”….Ich glaube schon,das der Mensch generell zweifelt oder oft an “seinem” Weg mit Zweifeln und Widerspüchen in sich selber “unterwegs ist. Im Aussen hast du,wie du schildertst nun ALLES erreicht,und nun fragt sich dein Inneres “War ES DAS schon????” ich schliesse mich da nur zu gerne dem Beitrag von Norbert an: WER BIST DU FÜR DICH???? Unabhängig von Ausbildung,tollem Auto,hübschen Aussehen……WAS SAGT DEIN HERZ??? Du hast vieles “erfüllt” was erwartet wurde, (ICH kenne das “Spiel” auch),doch hat ES dich sooo erfüllt?? Und lebst du nun wirklich dein Leben?? Fühle… Weiterlesen »

Ich

Hallo ihr lieben Leute..! 🙂 Es ist nun einige Zeit vergangen, seid ich am Tiefpunkt meiner Selbst und somit nicht nur am Zweifeln, sondern bereits am Verzweifeln war… Eure lieben Worte und die liebevolle Anteilnahme haben mich sehr gefreut und bestärkt. Ich glaube, dass ich nun, nachdem ich ernsthaft versucht habe wieder auf mein Gefühl – mein Inneres zu hören weiß, worin mein Problem liegt/lag. Dieses ständig rastlose, getriebene streben nach “falschem” Glück (aufgebracht durch ständiges “recht machen” und versuchen zu “gefallen” und stolz zu machen) hat mich verlernen lassen zu GLAUBEN, zu VERTRAUEN und zu LEBEN + LIEBEN. Ich… Weiterlesen »

Angelika

Hallo liebe Melanie,

ich freu mich so sehr für dich, dass du durch den Zweifel deinen Weg finden konntest. Deine Zeilen haben mich sehr berührt und um so mehr lebe ich mit dir mit:)

Danke dir für dein Mitteilen,

ich wünsche dir von Herzen einen wunderbaren Neustart

alles Liebe dir

Angelika

Rebekka Kopeinig-Shahali

Liebe Melanie,

ES ist für mich ebenso eine grosse FREUDE deine Zeilen heute zu lesen.Sobald das Herz wieder OFFEN und bereit ist,fliessen dir die Geschenke nur so zu…………Ich kann es wirklich nachempfinden!!!

Ich freue mich SEHR mit dir,das du nun deinen Weg oder er dich?? gefunden hast und wieder ins Leben in DICH vertraust!!!

Dieses sich selber in Freude begegnen öffnet “automatisch” andere Türen zu vielen Begegnungen und schenkt neues Lebensgefühl,weils in dir drinnen fest verankert ist!!

alles Gute liebe Melanie

herzensgrüsse aus Wien

Rebekka

Gerti Lintner

Liebe Melanie! Es bereitet Freude,deine guten Gedanken,sowie Umsetzung zu lesen.Oft erwartet man eine Antwort,doch sie ist schon längst im Inneren vorhanden.Einen guten Neustart wünsche ich dir,von ganzen Herzen.Lieben Gruß, Gerti