Matthias beim Zeitunglesen in der Früh

Journalismus und Unabhängigkeit

In Weltgeschehnisse & Auswirkung by Matthias A. Exl5 Kommentare

Presseagenturen nehmen in der Medienwelt eine zunehmend fragwürdige Stellung ein. International ist das höchste Gut des Journalismus – die Unabhängigkeit – mehr in Gefahr denn je.

Der größte Teil der internationalen Berichterstattung wird von drei großen Nachrichtenagenturen produziert und von der nationalen Presse übernommen. Internationaler Journalismus gleicht heute mehr denn je einem Setzkasten mit vorproduzierten gleichgeschalteten Inhalten. Der investigative Journalismus scheint einen leisen Tod gestorben zu sein. Das Resultat ist Konformität statt Unabhängigkeit.

Die große Frage, die sich jeder Medienkonsument stellen sollte, ist: “Woher stammt die Information?”. Der große Teil unserer Medienlandschaft hat schon lange damit aufgehört, eigene Auslandskorrespondenten einzustellen, die investigativen Journalismus betreiben. Vielmehr werden die durch Nachrichtenagenturen vorproduzierten Meldungen von einem Sprecher vorgetragen. Diese Vorgehensweise ist mit Referaten vergleichbar. Für den Konsumenten entsteht aber der Eindruck, dass es sich beim Beitrag um einen gut recherchierten Inhalt handelt. Dies ist leider meistens nicht der Fall, wie dieser Beitrag klar belegen kann.

Wer sind die großen internationalen Nachrichten Agenturen?

  1. Die amerikanische Associated Press (AP) mit weltweit über 4000 Mitarbeitern und rund 12’000 Kunden. Die AP ist im Besitz von US-Medienverlagen.
  2. Die französische Agence France-Presse (AFP) mit Sitz in Paris und knapp 4000 Mitarbeitern, die pro Tag über 3000 Meldungen und 2500 Fotos an Medien in aller Welt versenden.
  3. Die britische Reuters in London, die privatwirtschaftlich organisiert ist und etwas über 3000 Mitarbeiter beschäftigt. Reuters wurde 2008 vom kanadischen Medienunternehmer Thomson gekauft.

Kleinere nationale Nachrichten­agenturen in den deutsch­sprachigen Ländern sind:

  • Die Deutsche Presse-Agentur (DPA), die als semi-globale Agentur über rund 1000 journalistische Mitarbeiter in circa hundert Ländern verfügt. Die DPA ist im Besitz von deutschen Medienverlagen und Rundfunk­anstalten und hat ihre Hauptredaktion seit 2010 im Axel-Springer-Haus in Berlin. Der “Tagesspiegel”-Chef Stephan-Andreas Casdorff sagte: “Wir sehen die Unabhängigkeit gefährdet und haben kein Vertrauen mehr”. (Quelle: Konflikt um Springer Nähe) Außerdem kooperiert die DPA ihrerseits eng mit der amerikanischen AP und besitzt die Lizenz zur Vermarktung der AP-Dienste im deutsch­sprachigen Raum.
  • Die Austria Presse Agentur (APA) mit rund 165 Redakteuren. Die APA ist im Besitz von österreichischen Tageszeitungen und des ORF.
  • Die Schweizerische Depeschenagentur (SDA) mit rund 150 Mitarbeitern, die im Besitz von Schweizer Medien­verlagen ist, darunter die Tamedia und NZZ-Gruppe sowie die SRG.

Die internationale Berichterstattung wird durch die Abhängigkeit von den globalen Agenturen gleichgeschaltet. Bei geopolitischen Konflikten wird immer wieder auf die pro Amerikanische Berichterstattung zurückgegriffen. Ein gutes Beispiel war die internationale Berichterstattung über den Syrienkrieg: hier wurden Informationen aus lediglich einer Quelle, der “Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte” – eine Einmann Organisation in London – bezogen. Die globalen Agenturen bereiteten die einseitig gefärbten Informationen auf und diese wurden in Folge von tausenden Medienhäusern verbreitet (Quelle: Ominöse Protokollanten des Todes). Selten wird die Frage gestellt, wer hinter jener Beobachtungsstelle steht: ein pro-amerikanischer syrischer Oppositioneller. Womit die Frage beantwortet ist, ob eine positive Berichterstattung über Russland in Syrien überhaupt möglich ist. Als beispielsweise die syrische Armee Mitte November 2015 die Luftwaffenbasis Kuweires nach über zweijähriger Belagerung durch die IS-Miliz zurückeroberte – einer ihrer ersten strategischen Erfolge seit Eingreifen der russischen Luftwaffe – erschien darüber in unseren Medien keine einzige Mitteilung. Wie anlässlich des 50. Jubiläums der DPA einmal pointiert angemerkt wurde: “Was die Agentur nicht meldet, findet nicht statt.” (Wilke 2000)

Tatsache ist, dass in der heutigen Zeit internationale Geschehnisse nur dann in den westlichen Medien zu finden sind, wenn die großen Agenturen die Information in ihr Verbreitungsnetzwerk aufnehmen. So ist es auch zu erklären, wieso Erklärungen von Vladimir Putin zur geopolitischen Lage und der Nato Aggression nicht weiter verbreitet werden. Hier muss der aufmerksame Leser auf deutschsprachige russische Medien wie Sputnik News zurückgreifen, welche aber bei den genannten westlichen Agenturen (teilweise zu recht) als russische Propaganda Webseite dargestellt aber auch systematisch bekämpft wird.

Auch interessant:  Dr. Ruediger Dahlke spricht offen über die NATO, Kriegstreiberei und Politik

Wer liefert den internationalen Agenturen Pressematerial?

2009 platzte dem damaligen Chef der amerikanischen Nachrichtenagentur AP Tom Curley der Kragen: er referierte an der Universität von Kansas vor Journalisten über den Druck des US-Verteidigungsministeriums auf seine Berichterstatter in Kriegsgebieten wie Irak oder Afghanistan. Er sagte: “Es wird langsam unerträglich.” Hohe Generäle hätten gedroht, dass man die AP und ihn ruinieren werde, wenn die Reporter weiterhin auf ihren journalistischen Prinzipien beharren würden. Seit 2003 wurden bereits elf Journalisten der AP im Irak für mehr als 24 Stunden verhaftet. Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/27000-PRBerater-polieren-Image-der-USA/story/20404513

„Mit Hilfe der Medien bestimmen die Militärs die öffentliche Wahrnehmung und nutzen sie für ihre Planungen. Sie schaffen es, Erwartungen zu wecken und Szenarien und Täuschungen zu verbreiten. In dieser neuen Art von Krieg erfüllen die PR-Strategen der US-Administration eine ähnliche Funktion wie sonst die Bomberpiloten. Die Spezial-Abteilungen für Öffentlichkeits­­arbeit im Pentagon und in den Geheim­diensten sind zu Kombattanten im Informationskrieg geworden. Dabei nutzen die amerikanischen Militärs die mangelnde Transparenz der Bericht­erstattung in den Medien gezielt für ihre Täuschungs­manöver. Die von ihnen gestreuten Informationen, die von Zeitungen und Rundfunk aufgenommen und verbreitet werden, können Leser, Zuhörer oder Zuschauer unmöglich bis zur Quelle zurück­verfolgen. Somit gelingt es ihnen nicht, die ursprüngliche Absicht der Militärs zu erkennen.“ (Tilgner 2003)

Conclusio

In der Studie “Der Propaganda-Multiplikator: Wie globale Nachrichtenagenturen und westliche Medien über Geopolitik berichten” belegen die Autoren zahlreiche Fälle von negativer Einflussnahme von Journalisten, die nicht Agentur-treu berichteten. Außerdem belegt die Studie, wie mehr als 90% der westlichen Medien grundsätzlich positiv über die NATO und gegen Russland berichten.

Umso wichtiger ist es heute, dass der Medienkonsument kritisch auf standardisierte internationale Medienberichte blickt und alternative ausländische Quellen zu Rate zieht. Mit Bedauern bleibt festzustellen, dass die etablierten Medienhäuser gerade in der internationalen Berichterstattung ihre Unabhängigkeit verloren haben und in der daraus resultierenden mangelhaften Qualität berichten.

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Graphische Unterschrift von Matthias Exl

 

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Ein sehr treffender Kommentar zur Gefährdung der Pressefreiheit!
Vielleicht für Sie interessant zu lesen, mein eigener Artikel (erschienen in “Zeit-Fragen”) – “Wenn Pressefreiheit höheren Interessen weichen muss”, auch auf meinem Blog nachzulesen: stephanhaderer.wordpress.com Lg 🙂

Ine Jezo-Parovsky

Ein hervorragender Beitrag, der deutlich macht, unter welchem Druck Mainstream-Journalisten stehen.

Danke dir für dein Feedback Ine 🙂 Matthias