Eine Frau, die den Zeigefinger vor dem Mund hält

Spiritualität im Alltag

In Gesundheit für die Seele by Matthias A. Exl5 Kommentare

Kürzlich erhielt ich eine Nachricht einer Leserin von „Befreie dich selbst!“ zum Thema Spiritualität im Alltag. Es ist ein erstaunlicher Lebens-, Reise- bzw. Erfahrungsbericht mit einer interessanten Frage…

In der Vergangenheit habe ich viele Fragen zum Buch "Befreie dich selbst!" erhalten. Jede einzelne war wertvoll und ich habe diese gerne beantwortet. Diese spezielle Anfrage hat mich ob der Selbstreflexion berührt und so teile ich (mit Einverständnis) die Zeilen gerne mit euch:

„Ich habe dein Buch schon einmal gelesen und bin, wie du sagst, geradewegs an der Veränderung vorbei gelaufen. Ich habe mich nun, nach Abschluss meiner Schule auf eine Reise nach Südostasien begeben, um mir selbst näher zu kommen und den Einflüssen des eingefahrenen Alltags zuhause zu entkommen.
Auf meiner Reise durch Indien durfte ich einem erleuchten Hindu begegnen und habe ihn als solchen nicht erkennen können. Nach weiteren Monaten habe ich für einen Monat in Malaysia gelebt und dort ebenfalls erleuchtete Muslime kennen lernen dürfen. Dort habe ich die Möglichkeit ergriffen und mich geöffnet und meine Verbundenheit mit Gott und allem (ebenfalls Göttlichen) in der Welt wiedergefunden. Dort begann ich nach vielen Gesprächen mit diesen Personen dein Buch noch einmal zu lesen und durfte feststellen, dass sich meine Meinung zu vielen Dingen (im Vergleich zum ersten Lesen) schon sehr verändert hatten. Ich arbeite täglich an meinen Zwillingseigenschaften und lerne auch täglich dazu. In Malaysia fiel es mir dann wirklich leicht, frei zu sein und das gesamte Große zu erkennen. Das erste Mal seit ich denken kann, fühlte ich mich ausgeglichen, geliebt und zufrieden.
Bild des Buches Befreie dich selbst!Nun habe ich meine Familie wieder getroffen und stelle täglich fest, dass es genau dort viele Themen gibt, die mich aufwühlen, ja sogar wieder in die andere Richtung drängen, weg von mir selbst und damit auch von Gott. Durch aufwühlen verletzender Themen der Vergangenheit und eingefahrenen Handlungen entsteht Wut in mir. Ich werde verurteilt für meine Spiritualität und meine Verbundenheit zu Gott. Meine Eltern sagen mir, es ist schwach und dumm, "so etwas" zu glauben. Das macht mich sehr traurig, denn ich wünsche mir Akzeptanz von ihnen. Ich akzeptiere ja ebenso, dass sie ihren eigenen Weg gehen möchten.
Das alles führt dazu, dass ich mich sehr allein fühle, auch wenn ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die genau so denken wie ich.
Mein eigenes Ego bäumt sich stärker auf denn je, da ich mir bewusst geworden bin, dass es mein Ego ist, was mich zu Wut etc. verleitet. Ohne meine Gespräche mit Menschen, die mich bestärken in meinem Glauben und meiner Veränderung fällt es mir sehr schwer, weiterhin daran fest zu halten und zu lernen.
Wie hast du es geschafft, all diese Zweifel und den starken Gegenwind zu überwinden? Ich kann mir vorstellen, dass die Antwort "Vertrauen in Gott" lautet. Ich tue mein Bestes und doch kommen die Zweifel.
Ich weiß, dass ich stark bin und dass es an mir liegt, meine Veränderung zu vollziehen und doch sehne ich mich nach einem Ansprechpartner und Unterstützung. Ich spreche auch direkt mit Gott aber in Momenten des starken Zweifels fällt mir dies umso schwerer.
Beim Schreiben all dieser Worte fällt mir mein eigener Ego Anteil nun wieder auf, der sich nach Anerkennung sehnt, der sich wünscht zu hören "das machst du gut!"
Diese Zeilen zu schreiben hat mir nun wieder meine nicht bearbeiteten Themen aufgezeigt und damit auch meinen Weg, den ich gehen möchte.
Ich bin stolz auf mich, was ich bereits geschafft habe und werde weiterhin an meinem Ego arbeiten.
Eventuell hast du einen Rat für mich? Ich danke dir, schon allein dafür, dass ich diesen Text verfassen kann, dass du jetzt gerade mein Ansprechpartner und Lehrer bist, ohne etwas gesagt zu haben. Du inspirierst mich und ich danke dir sehr für dein Buch und deine Hilfe.“

Herzlichen Dank für deine berührenden Zeilen. So vieles erinnert mich an selbst erlebte Situationen bzw. Thematiken. Als ich in Indien war, sah ich, wie leicht es ist, die wahrhaftig Erleuchteten bzw. auf dem Weg weit Fortgeschrittenen zu übersehen. Dies ist kein Zufall: Denn wenn der laute Orkan an der stillen See vorbei braust, wird er eher Bäume mitreisen, als die Schönheit der wahren Stille zu erkennen. Der eigene Lärm macht uns blind, der eigene Lärm versperrt die Sicht auf das Wunder, dass überall anzutreffen ist.
Es ist mir gut in Erinnerung, welchen Frieden ich in den Ashrams Indiens empfand: wie das Wenige mich wie einen König auf Erden fühlen lies. Die Einheit mit allem wird in solchen Momenten bewusst. Wieso geschieht dies? Weil wir eine Reise weg von augenscheinlichen Themen, die zu Hause warten, machen. Doch irgendwann kehrt man in die „zivilisierte“ Welt zurück – oh Schreck, weg ist der Frieden, ist man doch mit dem Spiegel seines Ichs konfrontiert.

Spiritualität am Prüfstand

Gerade Eltern sind hier ein großes Hinweisschild. Vergessen wir nicht, als Kinder haben wir sie unbewusst kopiert, als Kinder sind wir auch den Lebenslügen, die die meisten Eltern aus Mangel an Bewusstheit verbreiten, aufgesessen. Unsere Gesellschaft ist voll von diesen Lebenslügen und Ängsten, die an die nächste Generation fein säuberlich aufbereitet weitergegeben werden. Ein weiser Muslim sagte einst zu mir, ich solle gar nicht versuchen, meinen momentanen Erkenntnisstand in meiner Familie zu verbreiten, ich würde nicht verstanden werden. Erfahrung lässt sich nicht vererben – weder von Eltern zum Kind, noch umgekehrt. Erfahrung ist etwas zu tiefst persönliches. Viele Eltern meinen, dass sie ein Mehr an relevanter Erfahrung ob des Alters vorzuweisen hätten – welch Irrtum. Jener Weise in Indien sagte dazu: es ist Ausdruck von Überheblichkeit, dies zu glauben. Es gibt unzählige ältere Menschen, die weder Weisheit noch Frieden oder wahre Selbsterkenntnis erlangt haben. Lebten sie ihr Leben doch zu sehr selbst-zentriert oder haben nie wahre Selbstreflexion betrieben. Auf der anderen Seite gibt es weise Kinder, deren seelischer Erfahrungsschatz weit über den der Eltern hinausgeht.

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Konfrontation als möglicher Weg

Kindererziehung durch LiebeDoch was tun, wenn man nun mit Scheinwissen und gut gemeinten Ratschlägen konfrontiert, ja mehr noch, zwangsbeglückt wird?
Gerade am spirituellen Weg meinen viele, dass Gelassenheit und das Vertrauen auf Gott die einzigen akzeptablen Methoden seien, um mit einer solchen Situation umzugehen. Innerlich kochend wird dabei ein Heiligenschein aufgesetzt und so getan, als ob man gelassen sei. Doch gerade dies ist lediglich ein Schauspiel und Ausdruck des Egos, ausgelöst aus Angst, die eigene Verletzlichkeit zu zeigen. Es ist ganz einfach: Gibt es ein Problem dadurch, dass der Andere so ist, wie er ist? Nein? Dann sei gelassen, du wirst nicht einmal darüber nachdenken, sondern es einfach sein. Die Frage nach den Eltern stellt sich in so einem Fall gar nicht, denn es würde dir einfach egal sein – es würde einfach „sein“. Doch wenn du den Schmerz und die Wut spürst, zeigt dir die Seele ganz genau, dass es an der Zeit ist, genauer hinzusehen und vielleicht „Nein“ zu sagen. Nein zu den Belehrungen, nein zur Besserwisserei, nein zu den Ängsten anderer. Wie schwer dies ist, ist mir wohl bewusst – gerade wenn das Gegenüber herrisch und besonders besserwisserisch ist. Doch gerade WEIL es schwer ist, ist jene Person mein Gegenüber, damit ich Stärke entwickeln kann, damit ich lerne, mich klar auszudrücken. „Lass mich in Ruhe, höre auf – weder will ich deine Ratschläge, noch brauche ich sie“ ist das Gefühl, das nach Ausdruck sucht. Zu lange wurde man mit Scheinwissen bedacht, während die wesentlichen Dinge im Leben des Belehrenden nie aufgearbeitet oder erkannt wurden.
So geht meine Antwort in eine andere Richtung: ja, es mag ein Ego-Aspekt sein, der sich gerade aufbäumt. Aber versuche nicht, diesen zu unterdrücken. Lerne ihn zu verstehen und als deinen Verbündeten einzusetzen, damit du das sagst, was notwendig ist, um die wahre Mitte zu finden. Diese Mitte lässt dich dann wahrhaftig still sein, weil das darunterliegende Thema bereits bearbeitet wurde. Versuche nicht diesen Prozess umzukehren – still zu sein, obwohl in dir ein Orkan tobt. Dies würde dich direkt in die kalte Scheinspiritualität führen. So viele Menschen versuchen zu früh die Erkenntnisse der Advaita Vedanta im eigenen Leben umzusetzen, während das Fundament dafür noch nicht geschaffen wurde. Ich selbst gehörte sicherlich auch dazu und habe die Chance bekommen, dies zu korrigieren.
So bleibt mir nur zu sagen: Du machst es gut! SEHR so gar.

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Herzliche Grüße,

Graphische Unterschrift von Matthias Exl

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Matthias A. Exl, MBA arbeitete viele Jahre erfolgreich im Ausland in leitenden Positionen internationaler Konzerne. Es folgte eine Phase der Neuorientierung, in der sich Matthias die Frage stellte, ob Geld, Status und Macht tatsächlich glücklich machen können. Im Streben nach Werten und Sinn verlagerte Matthias seine Tätigkeit in den NPO Bereich. Matthias ist Initiator des erfolgreichen Zauberwald Projekts und publizierter Autor (vgl. „Befreie dich selbst! Über die Kunst wahrhaftig zu leben“, 2008). Außerdem arbeitet Matthias als Spezialist für digitales Marketing, freier Journalist, bloggt auf https://befreie-dich-selbst.com über philosophische Themen und ist Gründer von Two Wings und Digicube.

Kommentare

  1. Schöner Beitrag zum Thema. Wie bereits von dir indirekt erwähnt. Frei ist man erst, wenn man die Meinungen und Prägungen anderer nicht mehr verinnerlicht sondern genau das spürt und lebt was man innerlich ist. Freiheit bedeutet, der zu sein wer man ist und die Angst verliert vor anderen Meinungen und generell anderen Menschen. Wenn man das machen kann wozu man möchte und es einem authentisch egal ist was der Nachbar darüber denkt… Dort fängt echte Freiheit an…

    Vielen Dank nochmal für deinen Beitrag 😉

    1. Author

      Lieber Thomas, danke dir für deine Gedanken, die zwangsläufig in der Frage enden: Wer ist man, wenn man die Angst verloren hat, was bleibt übrig, wenn die Authentizität beginnt… Wer ist es, der die echte Freiheit beobachten kann? Herzliche Grüße, Matthias Ps. Ich wünsche dir alles erdenklich Gute mit deinem Blog Projekt, ich habe mir dein Einleitungsvideo schon angesehen…

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