Eine italienische Gasse mit dem Schriftzug Dolce Vita

Die Sehnsucht nach Freiheit, La Dolce Vita und der innere kleine Prinz

In Gesundheit für die Seele by Matthias A. Exl2 Kommentare

Wir alle waren einmal Kinder und vielleicht erinnern sich einige an eine Zeit der Unbeschwertheit und empfundenen grenzenlosen Freiheit. Kinder leben ganz natürlich die Idee von Leichtigkeit und Freude des süßen Lebens. Doch schon sehr früh tauschen Menschen aufgrund der Sozialisierung das süße Leben gegen Leistungsgedanken aus. Mit allen bekannten Wahrnehmungen: Zeitmangel, Druck, Sorgen, Sinnlosigkeit, Sachzwängen, Einsamkeit und vielem mehr. Die Folge: Wir suchen nach Freiheit. Doch vielleicht geht es gar nicht darum, Neues zu entdecken, sondern Altes wiederzufinden?

Gestern traf ich einen lieben Freund. Statt zu arbeiten verbrachten wir vier Stunden bei gutem Wein und hervorragendem Essen den Sonnenschein genießend und über das Leben sinnierend. La Dolce Vita pur! Ich bemerke, wie sehr ich die ehrlichen Gespräche mit Menschen genieße, die es wagen, einfach sie selbst zu sein. Jene Unbeschwertheit und bedingungslose Ehrlichkeit kenne ich vor allem aus Irland. Es ist jenes Land, in welchem die Menschen zuerst annehmen, dass du ein Freund bist und du sie erst in weiterer Folge davon überzeugen musst, dass du es nicht bist. Hier in Österreich tendieren wir dazu, uns genau umgekehrt zu verhalten: Wir sind freundlich und gleichzeitig vorsichtig zurückhaltend: Wer bist du? Was willst du von mir? Tiefer gehende oder spontane, ehrliche Gespräche sind so viel schwieriger zu führen, vor allem wenn es wichtig ist, den Schein aufrecht zu erhalten.

Vorsicht und La Dolce Vita

Auch ich habe aufgrund von Verletzungen und missbrauchtem Vertrauen den Gedanken, mich allen jederzeit gleich öffnen zu müssen, aufgegeben. Dennoch öffne ich mich jenen Menschen, wo ich wahrnehme, dass sie mit dem Herzen sehen. Wenn ich aber unsere heutige Gesellschaft ansehe, fällt mir auf, wie viele die Freude am authentischen Miteinander, am süßen Leben und dem einfachen, spontanen Beisammensein - auch mit Unbekannten - verloren haben. Jene kindliche Freude und der Entdeckergeist scheinen oftmals durch Zeitmangel, Druck und Vorsicht ersetzt worden zu sein. Wir versuchen unsere Zeit effizienter zu managen, richten den Blick auf Unwesentliches aus und verlieren dabei immer mehr unsere Spontanität und kreativen Träumereien.

Die großen Leute lieben nämlich Zahlen. Wenn ihr euch über einen neuen Freund unterhaltet, wollen sie nie das Wesentliche wissen. Sie fragen dich nie: »Wie ist der Klang seiner Stimme? Welche Spiele liebt er am meisten? Sammelt er Schmetterlinge?« Sie wollen lieber wissen: »Wie alt ist er? Wie viele Brüder hat er? Wieviel wiegt er? Wieviel verdient sein Vater?« Erst dann werden sie glauben, ihn zu kennen. Und wenn ihr den großen Leuten erzählt: »Ich habe ein sehr schönes Haus mit roten Ziegeln gesehen, mit Geranien vor den Fenstern und Tauben auf dem Dach …« werden sie sich das Haus nicht vorstellen können. Ihr müsst vielmehr sagen: »Ich habe ein Haus gesehen, das hunderttausend Franken wert ist.« Dann kreischen sie gleich: »Oh, wie schön!« - Antoine de Saint-Exupéry

  • Wir scheinen immer schneller zu werden, während sich die Seele nach Langsamkeit sehnt.
  • Wir sprechen über Unwichtiges, während wir uns nach Substanziellem sehnen.
  • Wir beschäftigen uns mit Belanglosigkeiten, während wir uns nach Sinn verzehren.
  • Wir erleben Einsamkeit in unseren sozialen Netzwerken, während wir uns nach Verbindung sehnen.
  • Wir werden ärmer, während wir unsere Bankkonten füllen.
  • Wir versuchen uns durch Verträge abzusichern, während wir Freiheit und Unabhängigkeit von Verbindlichkeiten suchen.
  • Wir versuchen Glücksmomente zu kaufen, während diese für uns als kostenlose Geschenke warten – doch wir sehen sie nicht.

Eine italienische Gasse mit Pflanzen als Ausdruck des italienischen LebensstilsLa Dolce Vita - Zauber des Moments

Dolce Vita bedeutet (unter anderem) für den Italiener ein stressfreies, gediegenes und freudiges Leben, welches aber vom Geld unabhängig existiert. Es ist eine Lebensweise, die das Auge auf das Wesentliche ausrichtet. Es geht also nicht nur um luxuriöses Leben und Vergnügen. Vielmehr ist es Ausdruck der spontanen Freude, dem Sich-Zeitnehmen für den Zauber des Moments und diesen in all seinen Facetten in sich aufzunehmen. Ich erinnere mich gerne an ein spontanes Zusammentreffen einiger Bewohner unseres Dorfes unter einem Nussbaum. Zuerst waren wir nur zu dritt. Doch Leute, die am Weg vorbei kamen, blieben stehen und gesellten sich zu uns. Wir saßen am Boden, haben gefeiert und gelacht.

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Erinnerst du dich, wie sich als Kind Ostern oder Weihnachten angefühlt hat? Erinnerst du dich, wie unbeschwert du vielleicht warst? Erinnerst du dich an den Zauber, der sich in deinen Augen spiegelte?

Heute bin ich mehr denn je überzeugt, dass das Leben jedem von uns die Chance gibt, wiedergeboren zu werden. Wiedergeburt bedeutet, jene kindliche Freude und das Vertrauen in das Leben wiederzufinden. Der Zauber des Lebens umgibt uns jeden Tag. Er offenbart sich, wenn wir bereit sind, innezuhalten und unser Leben neu auf das Wesentliche auszurichten. Das Wesentliche ist das, was wir mit dem Herzen sehen, das tiefe, innere Wissen, was uns guttut und was nicht. Es ist das Wiederfinden der inneren Unbeschwertheit, welches den Entwicklungskreis schließt und uns zu reiferen Seelen werden lässt. Es ist mir bewusst, dass dies auch oftmals bedeutet, mutige Schritte zu setzen, Lebens- und Gedankenmuster loszulassen und bereit zu sein, alle Konsequenzen zu tragen.

Vielleicht ist es auch für dich an der Zeit, solche Schritte zu wagen und wiedergeboren zu werden.

Für eure Gedanken dazu bin ich sehr dankbar,

Matthias

Graphische Unterschrift von Matthias Exl

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Bücher, die ich zum Thema Dolce Vita gerne empfehle

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Matthias A. Exl, MBA arbeitete viele Jahre erfolgreich im Ausland in leitenden Positionen internationaler Konzerne. Es folgte eine Phase der Neuorientierung, in der sich Matthias die Frage stellte, ob Geld, Status und Macht tatsächlich glücklich machen können. Im Streben nach Werten und Sinn verlagerte Matthias seine Tätigkeit in den NPO Bereich. Matthias ist Initiator des erfolgreichen Zauberwald Projekts und publizierter Autor (vgl. „Befreie dich selbst! Über die Kunst wahrhaftig zu leben“, 2008). Außerdem arbeitet Matthias als Spezialist für digitales Marketing, freier Journalist, bloggt auf https://befreie-dich-selbst.com über philosophische Themen und ist Gründer von Two Wings und Digicube.

Kommentare

  1. Lieber Matthias, danke dass Du uns an die Freude erinnerst! Wir leben im Schlaraffenland aber wenn wir wie fremdgesteuerte Maschinen in unserem Überfluss untergehen nutzt uns das Ganze nicht oder vielleicht schadet es uns sogar! Dolce Vita ist für mich ein Begriff, Du weiß, da ich in Italien aufgewachsen bin. Es bedeutet für mich weniger Grenzen zwischen den Menschen, mehr Mut Gefühle und Schwächen zu zeigen und das Leben unbeschwert genießen! Es ist ein ansteckender Prozess. Wenn wir unsere Maske abziehen, fühlen sich unsere Mitmenschen auch freier sich zu zeigen…Statt Leistungsdrück träume ich von einer Welt wo Menschen mit Freude und Inspiration aktiv am Leben teilnehmen, jeder nach seinen Begabungen. Der Gedanke dass man Druck braucht um was zu erreichen ist absurd. Jeder Mensch möchte sich ausdrücken und seine Energie sinnvoll einsetzen. Maria Montessori hatte in 1910 eine Vision, was Kindern und Menschen im Allgemeinen betrifft, was heute nach 100 Jahren noch nicht in unsere Bildungssystem aufgefasst wurde. Trotzdem dürfen wir nicht zweifeln und jeden Tag kann man selber damit anzufangen sich und damit die Welt zu verändernt …mit etwas Leichtigkeit! Liebe Grüße! Maria Luisa

    1. Author

      Liebe Maria Luisa,
      vielen Dank für deine wundervollen Zeilen, denen ich mich vollinhaltlich anschließen kann…
      Herzliche Grüße aus Kärnten,
      Matthias

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