Eine Frau vor drei Türen, sie muss sich entscheiden und ist ratlos, hat Angst

Wie überwinde ich die Angst zu versagen? Über Kontrolle und Verantwortung

In Gesundheit für die Seele by Matthias A. Exl2 Kommentare

Wie oft geschieht es im eigenen Leben, dass man die Angst in sich verspürt, etwas nicht richtig zu machen. Es scheint besonders jene Menschen zu betreffen, die sich in Selbstreflexion üben oder – aus welchen Gründen auch immer – von Selbstzweifel gequält werden. Die Angst zu versagen lähmt den Fortschritt, lähmt wunderbare Möglichkeiten, die einem erlauben würden, alles zu tun.

Wie kommt man aus dem Teufelskreislauf des Dauerhinterfragens und der Selbstsabotage heraus? Wie bewältigt man die Angst zu versagen? In diesem Artikel zeige ich dir, wie du in drei Schritten deine Selbstachtung wiederfindest und handlungsfähig wirst.

Ist es wirklich nur das Selbstbewusstsein?

So oft haben wir es gehört: Natürlich ist es wichtig, dass wir lernen ein gesundes Selbstbewusstsein aufzubauen. Doch wie bei allen Dingen ist auch hier die Balance wichtig. Ein übersteigertes Selbstbewusstsein bringt Menschen dazu, ohne jegliche Selbstreflexion die eigenen Handlungsweisen als die einzig richtigen anzusehen. Es sind sehr unangenehme Zeitgenossen und man fühlt sich in ihrer Gegenwart überrollt und will so viel Abstand wie möglich von ihnen. Doch steckt nicht auch bei ihnen in Wirklichkeit die Angst zu versagen im Hintergrund? Ist es nicht nur scheinbares Selbstbewusstsein, ein Selbstbewusstsein, das lediglich dazu dient, die eigene Unsicherheit zu verbergen?

Es gibt auch die sturen Berufsopfer. Sie machen mit unglaublicher Präzision für alle unangenehmen Ereignisse im eigenen Leben andere Menschen verantwortlich. Der ehemalige Chef, der ehemalige Partner, der Nachbar, die Eltern oder wer auch immer: Scheinbare Fehler von Mitmenschen werden hier am Gipfel der eigenen Selbstgefälligkeit zelebriert, denn auf diese Weise gilt die Generalamnestie: Ich trage keine Verantwortung an Geschehnissen und an meinem Zustand.  Alle anderen sind es – deren Verhaltensweisen damals und jetzt: ich habe bereits alles getan. Berufsopfer haben das Opferdasein als Beruf – sehr viel Zeit und Energie wird in die Aufrechterhaltung und Kultivierung der eigenen Opferrolle gesteckt, was auch dazu führt, dass diese Energie für früchtetragende Projekte fehlt. Ich meine, dass auch hier tiefe Versagensängste im Hintergrund wirken. Wäre ich bereit, die Verantwortung für die Konsequenzen meiner eigenen Handlungen zu übernehmen, hätte ich zwar die Kontrolle zurück, müsste aber gleichzeitig auch das lieb gewonnene Spiel der Verurteilung von anderen aufgeben.

Wir sehen: scheinbar selbstbewusst oder scheinbar Opfer – in beiden Fällen ist es möglich, dass die Angst zu versagen im Hintergrund wirkt. Es sind also nicht nur jene reflektierten Menschen, die die Angst zu spüren bekommen.

Die Angst zu versagen lähmt den Menschen

Spüre ich die Angst zu versagen in mir, werde ich auch wahrnehmen, wie ich viele Entscheidungen gar nicht treffen kann. Es ist mir unmöglich Handlungen zu setzen, weil ich in einer Feedbackschleife festhänge:

  • Was werden die anderen sagen? (Familie, Freunde, Bekannte, Unbekannte)
  • Was geschieht, wenn es nicht gelingt?
  • Mit welchen Konsequenzen ist überhaupt zu rechnen?

Die einfache Antwort auf all die Fragen liefert die Angstenergie: „Es ist sicherer, nichts zu tun, denn diesen Zustand kenne ich“. Oder anders ausgedrückt: „Lieber ein bekannter Schrecken ohne Ende als ein Ende mit Schrecken.

Drei Schritte, um die Angst zu überwinden

Der Schlüssel liegt nun darin, den Teufelskreis zu überwinden. Wie geschieht das?

Schritt 1: Kontrolle übernehmen

Übernimm Kontrolle über die Vergangenheit: du bist heute da, wo du bist, aufgrund deiner eigenen Entscheidungen. Ja es mag sein, dass schlimme Dinge im eigenen Leben geschehen sind und selbst wenn diese in der Kindheit geschehen sind und wir diese nicht verstehen können: Offensichtlich gab es einen Plan, eine Autorität im Hintergrund, die dieses Bild gemalt halt. Wir mögen den Sinn der Ereignisse nicht verstehen. Persönlich bin ich aber überzeugt davon, dass es im Sinne von Karma absolut Sinn macht. So bleibt uns nur das Geschehene zu akzeptieren. Die Alternative wäre ein Leben mit Gefühlen der Trauer, des Hasses und der Missgunst. Heilung im Sinne von Vergebung und Abschließen ist der einzige Ausweg. Mir ist bewusst, dass dies nicht immer leicht ist, deswegen nennt sich eine solche Situation auch Lebensaufgabe. Übernimm Kontrolle für diese Lebensaufgabe, lerne zu vergeben und vorwärts zu blicken. Vielleicht ist es an der Zeit für ein Seelendetox!

Schritt 2: Verantwortung übernehmen

Übernimm Verantwortung für die Gegenwart: du bist heute da, wo du bist, aufgrund deiner eigenen Entscheidungen. Du bist verlassen worden? Ja, du hast dazu beigetragen, maßgeblich sogar. Dein Chef hat dich schlecht behandelt? Ja, du hast dazu beigetragen, maßgeblich sogar. Die Eltern stecken dich immer in das gleiche Schuhfach? Ja, du hast dazu beigetragen, maßgeblich sogar. Höre auf, die gesamte Energie darauf zu verschwenden, dir und deiner Umwelt dein Opferdasein zu erklären. Ist es so viel wichtiger, andere in ein schlechtes Licht zu rücken, als Verantwortung für die eigenen Handlungen zu übernehmen? Ist dir nicht klar, dass all die Energie, die du in Rechtfertigungen und Erklärungen verschwendest, letztendlich (im besten Fall) verpufft oder gegen dich gerichtet zurückkommt? Wahre Verantwortung zu übernehmen, bedeutet, den eigenen Anteil an Geschehnissen zu erkennen, zu akzeptieren und damit Verständnis für alle Beteiligten zu zeigen. Wer bist du, dass du nicht nur den ersten Stein, sondern eine Wagenladung von Steinen schmeißt? Verantwortung zu übernehmen bedeutet, die Steine aufzuheben und daraus ein Haus zu bauen.

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Schritt 3: Handlungen setzen

Setze Handlungen ohne Wenn und Aber: Wenn du Kontrolle und Verantwortung für dein Leben übernommen hast, ist es an der Zeit Handlungen zu setzen. Überprüfe zuerst deinen Gedankengang mit den “drei Sieben”, die nicht nur wie in diesem Beispiel für das Sprechen gelten:

Die drei Siebe

Zum weisen Sokrates kam einer gelaufen und sagte: “Höre Sokrates, das muss ich Dir erzählen!”
“Halte ein!” – unterbrach ihn der Weise, “hast Du das, was Du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?”
“Drei Siebe?”, fragte der andere voller Verwunderung.
“Ja guter Freund! Lass sehen, ob das, was Du mir sagen willst, durch die drei Siebe hindurchgeht: Das erste ist die Wahrheit. Hast Du alles, was Du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?
“Nein, ich hörte es erzählen und…”
” So, so! Aber sicher hast Du es im zweiten Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was Du mir erzählen willst gut?”
Zögernd sagte der andere: “Nein, im Gegenteil…”
“Hm…”, unterbracht ihn der Weise, “so lass uns auch das dritte Sieb noch anwenden. Ist es notwendig, dass Du mir das erzählst?”
“Notwendig nun gerade nicht…”
“Also” sagte lächelnd der Weise, “wenn es weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste Dich und mich nicht damit.”

Wenn das, was du tun möchtest wahr, gütig und notwendig ist – wage es! Keine Sorge, für kleine alltägliche Dinge musst du nicht zu streng mit dir sein. Hier ist es zuerst einmal wichtig, dass du überhaupt in das Handeln kommst. Wenn aber andere Mitmenschen in Mitleidenschaft gezogen werden, eignen sich die Siebe zur Selbstkontrolle wunderbar. Noch ein Tipp: Menschen, die dich ungerecht behandeln, kannst du sehr wohl schroff oder vehement abweisen. Wichtig ist lediglich, dass du im Herzen die Güte und den Zustand der Nichtverurteilung hältst, Gelassenheit ist hier der Schlüssel. Hier habe ich übrigens einen Artikel über den Umgang mit unangenehmen Menschen geschrieben, der dir sicherlich weiterhelfen wird.

Eine Hand, die ein Herz hältJetzt ist es also soweit: Tue, was dir in den Sinn kommt! Habe keine Angst vor den Konsequenzen, höre auf dein Herz. Bitte lese hierzu den sehr guten Artikel von unserer Autorin Silvia zum Thema Bauchgefühl: Auf die innere Stimme hören. Und das Wichtigste: Scheiß auf das, was die anderen sagen. Sei dir bewusst, dass all jene, die ihre wertvolle Energie darauf verwenden, dich zu beobachten und zu unken, genau jene Energie für „nichts“ verwenden – somit völlig verschwenden. Gleichzeitig setzt du deine Energie für etwas ein, an das du glaubst. Mache also nicht den Fehler, auf jene Verlierer zu hören, die nach deiner Aufmerksamkeit heischen. Ja, sie sind Verlierer, sie verlieren Energie. Es gibt nichts, dass du tun könntest, was ihnen in ihrer Situation hilft. Bleibe ganz bei dir, konzentriere dich auf das, was du tun willst, setzte es um und lerne aus den geernteten Früchten. Du siehst, wie wichtig es ist, Kontrolle, Verantwortung und Handlungsfähigkeit im eigenen Leben zu integrieren. Folgst du diesen Tipps, entsteht Selbstbewusstsein von ganz alleine. Wenn du Gedanken zu diesem Artikel hast, freue ich mich, wenn du diese in unserem Forum teilst.

Noch ein wertvoller Lesetipp zum Schluss: Unsere Autorin Eva hat kürzlich einen sehr schönen Artikel zum Thema “Heilung aus dem Himalaya – Entspannung durch tibetische Medizin geschrieben“. Danke Eva!

Buchempfehlungen zum Thema Versagensängste

Mein Geschenk an dich: Leitfaden zur Selbstreflexion

Für jene Menschen, die selbständig an sich arbeiten wollen, habe ich einen Leitfaden zusammengestellt, in dem ich beschreibe, wie du auf ehrliche und systematische Weise Selbstreflexion betreiben kannst. Du findest darin praktische Tipps, wie du all jene unbewussten Muster aufspüren kannst, die so viele Probleme verursachen. Die Abonnenten meines Blogs (das Abo ist kostenlos) können den Leitfaden zur Selbstreflexion gratis herunterladen. Hier kannst du dich eintragen, wenn du über neue Artikel von mir informiert werden möchtest, inklusive Gratisdownload meines achtseitigen Booklets.

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In Verbundenheit,

Graphische Unterschrift von Matthias Exl

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2 Kommentare auf "Wie überwinde ich die Angst zu versagen? Über Kontrolle und Verantwortung"

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Lieber Matthias, danke für den tollen Artikel. Ein sehr Interessantes Thema, das mich zur Zeit stark beschäftigt. Ich glaube dass die Angst das größte Problem ist, was uns vor Veränderung und den „richtigen“ Entscheidungen abhält. Wie du schon beschreibst, bleibt man lieber beim alt bewähren in Sicherheit. Auch ich treffe meine Entscheidungen viel zu oft aus dem Sicherheitsgedanken heraus. Auf der anderen Seite ist mir bewusst, dass das Festhalten an Vergangenheit, falschen Gewohnheiten, etc. eine Menge Ernergie kostet. Ich habe Angst aufgrund dieser Mutlosigkeit, etwas im Leben zu verpassen, auf der Stelle zu treten und nicht mein ganzes Potenzial entfalten… Weiterlesen »